Captain Charles "Chuck" Yeager
Die fliegende Legende
 
Steckbrief
 
 US ARMY AIR FORCE 11,5 Abschüsse
 
   
Biographie
 
Obwohl mit 11,5 bestätigten Luftsiegen nur im Mittelfeld der alliierten Fliegerasse des Zweiten Weltkrieges zu finden, gebührt Chuck Yeager ein Platz unter den ganz Großen der Luftkriegsgeschichte. Vom Leutnant bis zum Brigadegeneral aufgestiegen, diente Yeager seinem Land in 34 Dienstjahren sowie zwei Kriegen und ging durch herausragende Leistungen in die technische Geschichte der Luftfahrt ein.
Unmittelbar nach Kriegsbeginn 1941 im Alter von knapp 18 Jahren in die US Army Air Force eingetreten und nach anfänglicher Verwendung als Mechaniker zur Pilotenausbildung zugelassen, erreichte "Chuck" Yeager Ende 1943 als Pilot der 363rd Fighter Squadron (357th Fighter Group) den europäischen Kriegsschauplatz. Nachdem seine Staffel auf die neue, moderne P-51 Mustang umgeschult hatte, begann der harte Kampfeinsatz über Frankreich und Belgien. 2nd Lieutenant Yeager gehörte zu jenen ungeduldigen, hitzigen Draufgängern, die von einer großen Karriere als Fliegerass träumten. Doch schon in den ersten anstrengenden Begleitschutzeinsätzen für schwere Bomber wurde Yeager auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die erträumten schnellen Luftsiege blieben aus, dafür gewann das spätere Ass an Ruhe, Erfahrung und taktischer Übersicht. Dieser Sinneswandel war bereits überfällig gewesen, denn schon während seiner Ausbildung in den USA war Fähnrich Yeager mehrmals durch verbotene Flugmanöver aufgefallen und wegen Streifens von Baumwipfeln im Tiefflug sogar mit einem Flugverbot belegt worden. Solchen Unsinn konnte man sich an der Front nicht mehr leisten.
Am 5. März 1944 flog Yeager einen Geleitschutzeinsatz für B-24 Bomber, als er in einem unaufmerksamen Moment von einer deutschen Fw 190 angegriffen und abgeschossen wurde. Mit dem Fallschirm ausgestiegen und im besetzten Frankreich gelandet, hatte der Lieutenant das Glück, von französischen Untergrundkämpfern entdeckt und mit viel Mühe bis ins neutrale Spanien gebracht zu werden. Und so kehrte Yeager im Sommer 1944 wieder zu seiner Staffel zurück – er war im übrigen der erste US-Pilot, der nach einer geglückten Flucht wieder die Erlaubnis erhielt, in den Kampfeinsatz zurückzukehren.
Es folgten nun vermehrt Jagd- und Jagdbombereinsätze über Frankreich, ehe es erneut zu Einsätzen gegen deutsche Rüstungszentren kam. Als Charles "Chuck" Yeager am Morgen des 22. Oktober müde in seine Mustang kletterte und zum Start rollte, war er sich nicht bewusst, dass er in wenigen Stunden in die US-Luftkriegsgeschichte eingehen würde.
Denn als die Staffel an diesem Tag in einen wilden Luftkampf mit einer Bf 109 Gruppe verwickelt wurde, schoss Yeager innerhalb weniger Minuten plötzlich seine ersten drei Gegner ab. Ein vierter deutscher Pilot fiel während einer engen Kurbelei unter Yeagers Feuerstößen und als eine fünfte Bf 109 während eines riskanten Fluchtmanövers vor Yeager Bodenberührung bekam und in Flammen aufging, war Lieutenant Yeager plötzlich der erste US-Jagdflieger der Geschichte, der in einem einzigen Einsatz zum Fliegerass geworden war. Nun waren seine Kameraden nicht mehr zu halten; im Funksprechverkehr ging es drunter und drüber und es folgte eine Staffelfeier, wie sie die USAAF noch nie gesehen hatte.
Über Nacht berühmt geworden, bewies Yeager in den nächsten Monaten das diese fünf Siege kein Zufall gewesen waren und erhöhte seine Trefferanzahl bis Kriegsende auf 11,5 Luftsiege in 64 Feindflügen und nur fünf erfolgreichen Luftkämpfen. Unter diesen Erfolgen befand sich auch einer der berüchtigten Me 262 Düsenjäger, welchen Yeager während des Landeanfluges überrascht und trotz heftiger deutscher Flakabwehr abgeschossen hatte. Hierfür mit einem DFC beliehen, testete er später eine erbeutete Maschine dieses Typs für die Air Force.
Bei Kriegsende 1945 mit erst 22 Jahren bereits Captain, blieb Yeager in der USAF und machte sich in den nächsten Jahren als Testpilot einen großen Namen. Erneut berühmt wurde er als Pilot der legendären X-1. Mit diesem Versuchsflugzeug gelang es ihm nach langen Tests und Versuchsreihen am 14. Oktober 1947 als erster Pilot der Welt die Schallmauer zu durchbrechen und somit die lange Diskussion zu beenden, ob so etwas technisch und körperlich überhaupt möglich wäre. In Folge stellte der wagemutige Flieger weitere Geschwindigkeits- und Höhenrekorde auf und unterstützte durch viele Testflüge den Aufbau des später so erfolgreichen amerikanischen Astronautenkorps der NASA. Während des Koreakrieges kein aktiver Frontoffizier, testete Major Yeager erbeutete russische Migs auf Herz und Nieren, ehe er 1954 die 417th Fighter Squadron in Westdeutschland übernahm.
Nach längerer Dienstzeit in der NASA (Leiter der Aerospace Research Pilots School) übernahm der bereits 45jährige Colonel das 405th Tactical Fighter Wing, flog von den Philippinen aus 127 Jagdbombereinsätze während des Vietnamkrieges und erhielt unter anderem die Distinguished Service Medal. Ab 1969 als Brigadier General Stellvertretender Befehlshaber der 7th Air Force in Westdeutschland, kam Yeager 1971 als US-Luftwaffenberater in Pakistan während des indisch/pakistanischen Krieges zum Einsatz.
Zuletzt Kommandeur der Luftsicherheit auf der Norton Air Force Base, trat Yeager 1975 in den Ruhestand, blieb dem Fliegen als Privatmann und Berater jedoch treu. Während seiner Karriere in über 200 verschiedenen Militär-, Zivil- und Versuchsflugzeugen geflogen, zeigte sein Flugbuch zuletzt mehr als 10.000 Flugstunden.
An Auszeichnungen trägt der aus West Virginia stammende Spitzenpilot zwei Distinguished Service Medal, das Distinguished Service Cross, drei Distinguished Flying Cross, zwei Silver Stars, zwei Legion of Merit, den Bronze Star, die Air Force Commendation Medal, zwei Distinguished Unit Citation, elf Air Medals sowie den seltenen Air Force Outstanding Unit Award. Außergewöhnliche Ehrungen wurden Brigadier General (ret.) Yeager mit der Peacetime Congressional Medal of Honor (1976) sowie der Presidental Medal of Freedom (1985) zuteil. 1954 hatte er für seine Verdienste in der Erprobung neuer Düsenflugzeuge u.a. die französische Air Medal erhalten. Mit Ehrendoktoraten für seine Leistungen in der NASA bedachten den vierfachen Vater die Universitäten von West Virginia (1948), Huntington (1969), Salem (1974) und Charleston (1983). Die Air National Guard (Luftwaffen-Reservekorps) ehrte den großen Flieger mit dem Yeager-Airfield nahe Charleston.
Bis heute ist "Chuck" Yeager einer der berühmtesten Flieger der Vereinigten Staaten. Sein Charisma reicht fast an Charles Lindbergh heran.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at