Quadron Leader William "Cherry" Vale
Pattles Bomberspezialist
 
Steckbrief
 
 ROYAL AIR FORCE 30 Abschüsse
 
   
Biographie
 
William Vale - von seinen besten Freunden "Cherry" genannt - wurde als Sohn eines ehemaligen Captain der elitären Royal Marines (Marineinfanterie) geboren und entschied sich 1931 für den Dienst in der Royal Air Force. Vier Jahre später als Flight Sergeant zur No. 33 Squadron nach Ägypten versetzt, erlebte Vale hier den Kriegsausbruch.
Während sich die Hauptmacht der britischen Streitkräfte verzweifelt - und umsonst - gegen den Ansturm der deutschen Wehrmacht in Frankreich zur Wehr setzte, flog die Staffel 1940 kleinere Angriffe gegen italienische Stützpunkte in Libyen und Abessinien. Auch als die Royal Air Force während der Luftschlacht um England mit dem Rücken zur Wand stand, verblieb die No. 33 Squadron weiterhin in Nordafrika. Hier blieb William Vale am 1. Juli 1940 während eines Luftkampfes nahe dem italienischen Fort Capuzzo erstmals über einen feindlichen Bomber Sieger. Zwei Wochen später folgte bereits Luftsieg Nummer zwei – diese Erfolge errang Vale noch mit einem veralteten Doppeldecker vom Typ Closter Gladiator.
Im November 1940 wurde "Cherry" Vale, inzwischen zum Offizier befördert,  zur No. 80 Squadron versetzt und mit dieser Staffel auf den Balkan verlegt. Das Oberkommando der RAF sollte mit dieser Vorsichtsmaßnahme Recht behalten; denn im März 1941 begannen deutsch-italienische Truppen mit einer Offensive gegen Jugoslawien und Griechenland.
Anfangs nur gegen unterlegene italienische Luftwaffenverbände eingesetzt, errang Vale fünf weitere Siege, ehe die Staffel - nun bereits mit der moderneren Hawker Hurricane ausgerüstet - auf die gefürchteten deutschen Geschwader traf. In den nächsten harten Kampfwochen sollte Vale als einer der "furchtbaren Zwillinge des Balkans" bekannt werden – sein "Bruder" wurde der Staffelführer Marmaduke "Pat" Pattle. Binnen weniger Wochen sollten diese beiden Spitzenpiloten zusammen mehr als 50 Luftsiege erringen und zu den erfolgreichsten britischen Jagdfliegern dieses Kriegsschauplatzes werden! Ein weiterer Aufsteiger der Staffel war der treffsichere "Woody" Woodward, letztendlich Sieger in 18 Luftkämpfen.
Seinen ersten Sieg über eine deutsche Maschine, einen Ju 87 Sturzkampfbomber, erzielte Vale am 14. April über bulgarischem Luftraum, es war sein 13. Treffer. Die nächsten Feindflüge liefen meist gleich ab; während sich Pattle mit einer Gruppe der Staffel dem Begleitschutz zuwandte, griff Vale mit seiner Jagdkette die deutschen Bombergruppen an. Seine kühnen, mit großer Präzision geflogenen Angriffe brachten "Cherry" hierbei unglaubliche 10 Bomberabschüsse innerhalb von neunzehn Tagen ein, 5 weitere Feindbomber entkamen zum Teil schwer beschädigt.
Am 21.04.41 wurde das so schlagkräftige Team Vale-Pattle jedoch durch den Tod des Staffelführers auseinandergerissen. So konnte sich Vale auch über sein im Mai verliehenes erstes Distinguished Flying Cross nicht so recht freuen. Zum Feiern wäre auch kaum Zeit gewesen. Die britisch-griechischen Streitkräfte hatten aufgrund der nichtsdestotrotz ungebrochenen deutschen Luftüberlegenheit schwere Niederlagen zu verkraften und mussten sich immer weiter nach Süden zurückziehen.Die No. 33 Squadron flog weiterhin pausenlos Einsätze und Vales Siege über deutsche Bomber waren hierbei taktisch besonders wertvoll, da hierdurch so manche griechische Brücke oder Straße für den Rückzug der bedrängten Bodentruppen offen blieb.
Unmittelbar vor der endgültigen Niederlage auf dem Balkan nach Kreta rückverlegt, erlebte Flying Officer Vale hier auch die schweren Gefechte während der deutschen Fallschirmjäger-Invasion. Trotz pausenloser Stuka- und Bomberangriffe auf die eigenen Flugplätze gestartet, schoss der tapfere Brite seinen 21. bis 27. Gegner ab und erhielt neben seinem zweiten britischen DFC auch die gleichnamige griechische Auszeichnung verliehen. Für die britische Mittelmeerflotte war Kreta jedoch ein Desaster - mehrere Kreuzer, Zerstörer und unzählige kleinere Einheiten endeten aufgrund der deutschen Luftüberlegenheit am Grunde des Meeres. Kurz bevor die deutschen Verbände auch Kreta in die Knie zwangen, flogen die letzten Reste der No. 33 Squadron nach Ägypten ab. Bereits im Juni 1941 absolvierte "Cherry" Vale in Syrien und Tunesien erneut Kampfeinsätze, diesmal gegen Verbände der deutschfreundlichen, französischen Vichy-Regierung. Hierbei fielen Vales Kanonen ein Bomber und zwei Jäger als Gegner 28 bis 30 zum Opfer. Nun wurde Flight Lieutenant Vale als erfolgreichster lebender Jagdflieger der Royal Air Force vom Kampfeinsatz zurückgezogen und nach England rückversetzt.
Ab April 1942 Kommandeur einer Jagdflieger-Ausbildungseinheit und 1943 als Squadron Leader an der Spitze der renommierten Central Gunnery School, beendete Vale den Krieg als Stabsoffizier im Fighter Command. Seine 30 anerkannten Luftsiege erzielte William "Cherry" Vale in nur 25 erfolgreichen Luftgefechten gegen 13 unterschiedliche Flugzeugtypen. 16 seiner Opfer waren deutsche (11 Bomber, 3 Stukas, 2 Jäger), 11 italienische und 3 vichy-französische Maschinen. Gemessen an den Luftsiegen stand der frühere Leichtathlet innerhalb der RAF bei Kriegsende an der fünften Position.
1946 Kommandeur der Jagdflieger-Verbandsführerlehrgänge in Tangmere, schied Vale ein Jahr später auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Dienst aus und ging in die Privatindustrie. Im November 1981 fand er bei einem Autounfall im englischen Nottinghamshire den Tod.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at