Josef Trausnitz
Zum Pionier berufen
 
Steckbrief
 
Leutnant d.R. der Wehrmacht
Vizeleutnant des Bundesheeres
Ritterkreuz am 3. November 1944
 
   
Biographie
 
Am 6. April 1916 geboren und in seiner Jugend als Landarbeiter tätig, wurde Josef Trausnitz 1937 zum Bundesheer einberufen und aufgrund seiner Geschicklichkeit und körperlichen Statur zu den Pionieren versetzt. 
Während seiner Ausbildung im Pionierbataillon 8 des in Salzburg liegenden Alpenjägerbataillons 3 lernte der 21jährige nicht nur alles was es über Brückenbau, Anlegen von Stellungen und Bunkern, Beseitigen oder Anlegen von Hindernissen sowie Sprengungen zu wissen gab, sondern auch was es hieß in die Fußstapfen des traditionsreichen k.u.k. Gebirgspionierkorps zu treten. Der Geist dieser durch atemberaubende Leistungen im Ersten Weltkrieg berühmten Elite-Truppe war auch zwanzig Jahre später in der Salzburger Pionierkaserne spürbar.
1938 als Gefreiter in die Wehrmacht übernommen, wurde Trausnitz´ altes Bataillon in Heeres-Gebirgspionier-Bataillon 85 umbenannt und erstmals bei der kampflosen Besetzung des Sudetenlandes eingesetzt. Bei Kriegsausbruch hatte der Österreicher den Rang eines Unteroffiziers erreicht.
1939 als eigenständiges Korpsbataillon eingesetzt, d.h. keiner einzelnen Division unterstellt, bewährte sich Sepp Trausnitz in den schwierigen Aufgaben eines Gebirgspioniers und erhielt im Sommer 1940, nach tapferem Einsatz im Westfeldzug, das Eiserne Kreuz 2.Klasse verliehen. Direkt hinter den Angriffsspitzen der Frontverbände eingesetzt, mussten die Pioniere besonders in Frankreich immer wieder Straßenhindernisse beseitigen, Brücken reparieren, feindliche Bunkeranlagen unschädlich machen oder von vorangegangenen Fliegerbomben beschädigte Straßen schnell wieder befahrbar machen. Viele dieser Aufgaben fanden im direkten Feindfeuer statt. Unteroffizier Trausnitz führte in Frankreich bereits eine Gruppe.
Im Sommer 1941 gegen Russland ins Feld gezogen, bewies der Österreicher an der Spitze seiner Pioniere immer wieder Mut, Geschick und fachliche Kompetenz. Mit zunehmender Kriegsdauer immer mehr auch in Angriffs- und Abwehrkämpfen als Infanterie eingesetzt, entwickelte sich der Aufgabenbereich des sgn. Sturmpioniers. Im Einsatz kaum von einem Grenadier oder Panzer-Nahkämpfer zu unterscheiden, führte Feldwebel Trausnitz seine mit Minen und Sprengladungen bepackten Männer oft im Feindfeuer direkt an feindliche Bunker heran und setzte diese außer Gefecht. Beim Errichten eines Brückenkopfes am feindlichen Ufer eines Flusses waren die Pioniere immer die ersten, die zusammen mit der Stoßgruppe der Infanterie erste Gegenangriffe zurückzuschlagen hatten. Mit zunehmender Dauer des Krieges kamen die Pioniere auch bei Stoßtrupps und Flammenwerfer-Einsätzen gegen Bunker sowie der Panzerabwehr zum Tragen.
Im Sommer 1942 bei so einem Gefecht erstmals verwundet, befand sich Trausnitz nur wenige Wochen später wieder an der Front, ehe er erneut durch einen Wadendurchschuss verwundet wurde. Später wurden seiner Krankenakte noch ein Streifschuss am Kopf sowie Splitter im Arm und der Schulter hinzugefügt. Doch Sturmpioniere wie Trausnitz waren hart im Nehmen.
Im August 1942, dem Höhepunkt der deutschen Offensiven in Russland, erhielt der tapfere Soldat das Eiserne Kreuz 1.Klasse, die Beförderung zum Feldwebel sowie für seine zahlreichen Einsätze als Zugtruppführer das Pioniersturmabzeichen in Silber. 1943 erhielt der inzwischen frisch verheiratete Salzburger Gelegenheit, sich als Ausbilder in einer Pionier-Ersatzabteilung zu beweisen und gleichzeitig selbst wieder Kraft zu tanken. Erst im Februar 1944 kehrte Trausnitz nach Russland zurück.
Nunmehr in Ski-Pionierbataillon 85 umbenannt und Teil der 1. Skijäger-Brigade, kämpfte seine alte Einheit zu dieser Zeit in Sondereinsätzen in schwierigem Wintergelände gegen die gefürchteten Garde-Skibrigaden der Roten Armee. Erst der Einsatz dieser eigenen speziellen Ski-Verbände ließ eine wirksame Antwort gegen die Angriffe der russischen Skijäger zu, welche durch Beweglichkeit und Kühnheit der regulären Infanterie viel Schwierigkeiten bereitet hatten. Bereits im März 1944 erneut verwundet, führte der inzwischen zum Oberfeldwebel aufgestiegene Trausnitz einen Zug der 3. Kompanie in harten Einsätzen in den gefürchteten Pripjet-Sümpfen, während der Schlacht um Kowel sowie den Rückzügen an die Weichsel. Rückzugskämpfe bedeuteten für die Pioniere neue Aufgaben in Form von Zerstörung von Brücken, Gleisanlagen, Stellungen sowie das Anlegen von Minen- und Sprengfallen. Nicht selten wurde das letzte Sprengkabel gelegt, als russische Panzer nur noch hundert Meter entfernt waren. Mehr als einmal mussten die Sturmpioniere bereits durchgebrochene Truppen der Roten Armee weiträumig umgehen, um wieder zur Brigade zu stoßen. Im Sommer 1944 zur 1. Ski-Jägerdivision aufgestockt, bewährte sich dieser Verband unter dem Kommando des Ritterkreuzträgers Oberst von Scheebrügge in Folge auch an der Karpatenfront.
Hier in Abwehrstellungen vor strategisch wichtigen Gebirgspässen befohlen, konnte sich Oberfeldwebel Trausnitz bei der Abwehr eines starken Grenadierangriffes derart auszeichnen, dass er am 3. November 1944 das Ritterkreuz erhielt. Alles in allem erhielten nur zehn Angehörige von Ski-Jägerverbänden diese hohe Auszeichnung.
Nur wenige Wochen nach seiner erfolgreichsten Bewährungsprobe im harten Abwehrkampf zum bereits fünften mal verwundet, wurde Sepp Trausnitz aufgrund seiner großen Erfahrung zum Offiziersanwärter bestimmt und zur weiteren Ausbildung an die Heeres-Pionierwaffenschule Dessau versetzt. Hier noch am 1. April 1945 zum Leutnant d.R. befördert, kam der tapfere Soldat nicht wieder zum Fronteinsatz. Durch die ordnungsgemäße Auflösung der Pionierschule und die Entlassung der Soldaten entging der Österreicher einer Gefangennahme durch die Siegermächte.
In den schwierigen Nachkriegsjahren schlug sich der vierfache Vater als Monteur, Vertreter und Lagermeister in verschiedenen Betrieben durch, ehe er 1959 Antrag auf Aufnahme ins neue Bundesheer stellte. Obwohl sich die Streitkräfte und besonders die noch junge Pionierwaffe glücklich schätzen konnten, einen solch erfahrenen Mann zu bekommen, wurde Trausnitz entgegen seines letzten Wehrmachtsranges nicht als Offizier übernommen. Anfangs als Stabswachtmeister in einem Heeres-Artillerieregiment, dann in einem Fernmeldebataillon und später in der Stabsabteilung des Korpskommandos Salzburg eingesetzt, erreichte Trausnitz 1963 im Range eines Offizierstellvertreters das motorisierte Pionierbataillon 3.
In achtzehn hier abgeleisteten Dienstjahren als Zugkommandant in der 1. Kompanie bildete Josef Trausnitz zusammen mit seinen Unteroffizieren Hunderte junge Grundwehrdiener am Pioniergerät aus. Seine jüngeren Kameraden durch geistige und körperliche Fitness immer wieder herausfordernd, erreichte er 1975 den Rang eines Vizeleutnants sowie als Sprengmeister und Bootsführer den Ingenieursgrad.
Für seinen unermüdlichen Eifer bei Rettungs- und Assistenzeinsätzen im Rahmen von sechs Hochwasser-, Muren- und Lawinenkatastrophen zwischen 1966 und 1981 erhielt er nicht nur die Verdienstmedaille des Österreichischen Roten Kreuzes, sondern auch Kärntner, Salzburger und Tiroler Landesauszeichnungen sowie 1971 das Silberne Ehrenzeichen der Republik. Die letzten Jahre seiner Dienstzeit als Fachinspektor hinter einem Schreibtisch der Heeresverwaltung Salzburg, trat Vizeleutnant Josef Trausnitz 1981 in den Ruhestand. Der fleißige und bescheidene Pionier verstarb am 28. September 1995.

Quelle: „Ritterkreuzträger im Österreichischen Bundesheer 1955-1985“ von Florian Berger, ritterkreuz.at