Wing Commander Stanislav Skalski
Fliegerass der ersten Stunde
 
Steckbrief
 
 ROYAL AIR FORCE (freie polnische Streitkräfte) 21 Abschüsse
 
   
Biographie
 
Zu den vielen nicht-englischen Nationalitäten, die während des Zweiten Weltkrieges in der Royal Air Force dienten, befanden sich neben Kanadiern, Australiern, Franzosen oder Iren auch viele Flieger der sogenannten freien polnischen Streitkräfte. Zu deren erfolgreichsten Angehörigen gehörte der in 21 Luftkämpfen siegreich gebliebene Stanislaw Skalski.
1915 im damals noch zu Russland gehörenden Teil Polens geboren, gehörte Leutnant Skalski bei Kriegsausbruch zur kleinen polnischen Luftwaffe und diente in der 142. Jagdeskadron. Bereits am ersten Kriegstag gegen einen deutschen Jagdbomber erfolgreich, flogen Skalski und seine Kameraden in den folgenden Tagen pausenlos verzweifelte Einsätze gegen die technisch und zahlenmäßig stark überlegene deutsche Luftwaffe. Hierbei konnte der junge Leutnant in kurzer Folge zwei Ju 87 „Stukas“ und drei mittlere Bomber abschießen sowie drei weitere Feindmaschinen beschädigen.
Somit eines der ersten alliierten Fliegerasse des Krieges, hatte er zudem das Glück, mit seiner Staffel stets vor Eintreffen der deutschen Panzerspitzen weiter nach Osten verlegen zu können - als Polen nach nur wenigen Wochen den Widerstand aufgeben musste, floh Skalski zusammen mit den Überlebenden seiner Einheit nach Rumänien und setzte sich später über Frankreich bis nach England ab. Hier meldete sich das Fliegerass zur Royal Air Force und wurde im Juni 1940 als Pilot Officer Rottenführer in der neu aufgestellten No. 302 (polnish) Squadron. Mit Hurricanes ausgerüstet, kamen die Polen - ebenso wie die freiwilligen Tschechen - erst nach dem Auftakt der Luftschlacht um England zum Kampfeinsatz, da das Oberkommando der RAF sich zuerst von den Sprachschwierigkeiten abschrecken ließ. Aber erst mal im Kampfeinsatz gegen deutsche Bomberpulks, zeigten die Polen was sie konnten. Bis zum Ende der Luftschlacht um England sollten die zwei polnischen Staffeln bei 29 eigenen Totalverlusten über 200 Abschüsse erzielen und somit einen entscheidenden Anteil am alliierten Abwehrsieg erbringen. Pilot Officer Skalski selbst erzielte mit seiner Hurricane sechs anerkannte Luftsiege, ehe er am 5. September von einer Bf 109 abgeschossen und durch Feuer im Cockpit schwer an beiden Händen verbrannt wurde.
Skalski, für den die Luftschlacht um England nun vorbei war, blieb der hier zweiterfolgreichste polnische Jagdflieger.
In den Einsatz zurückgekehrt und mit einem Distinguished Flying Cross ausgezeichnet, flog der zum Flying Officer beförderte Skalski 1941 als Gruppenführer in der No. 317 (polnish) Squadron über dem besetzten Frankreich und stieg aufgrund seiner Leistungen 1942 zum stellvertretenden Staffelführer auf. Im Luftkampf bald zum dreizehntenmal erfolgreich, war er immer noch einer der besten polnischen Fliegerasse des Fighter Command sowie aufgrund seiner führerischen Qualitäten der vielleicht populärste Offizier der freien polnischen Luftwaffe.
Aus diesen Gründen wurde er im Winter 1942 beauftragt, eine spezielle polnische Jagdgruppe für den bevorstehenden Einsatz in Nordafrika aufzustellen und vorzubereiten. Diese offiziell „Polnish Fighting Team“ benannte Truppe kämpfte ab März 1943 im Verband der No. 145 Squadron, wurde jedoch schon bald unter dem weniger amtlichen Namen „Skalski´s Circus“ bekannt. Am 28.03.43 über einen Ju 88 Bomber zum fünfzehntenmal siegreich, ließ der Flight Lieutenant über Tunesien drei weitere Luftsiege folgen. Obwohl die polnische Gruppe bereits kurz nach ihrer Ankunft in Nordafrika durch einen schweren Sandsturm fast die Hälfte ihrer Flugzeuge am Boden eingebüßt hatte, erzielten die verbliebenen Piloten 25 Luftsiege und verloren selbst nur einen Kameraden.
Im Juni 1943 verließ Skalski seine Gruppe und übernahm als Squadron Leader die No. 601 Squadron, welche mit den modernen amerikanischen Jägern vom Typ P-51 Mustang ausgerüstet war. Hierbei war Skalski wohlgemerkt der erste Pole, der eine nicht-polnische Jagdstaffel der britischen Luftwaffe kommandierte.
Während der Invasion in Sizilien eingesetzt und später auch an der italienischen Front erfolgreich, erhielt Stanislaw Skalski für seine Verdienste bereits ein drittes DFC, ehe er im Winter 1943 wieder nach England zurückbeordert wurde.
Zum Wing Commander befördert, übernahm er hier das Kommando über das 131st (polnish) Fighter Wing und führte dieses in Begleitschutzeinsätzen über Norddeutschland an. Im April an die Spitze des 133rd (polnish) Fighter Wing gewechselt, fügte der Pole während der Invasionsschlacht durch die gefechtsbedingte Kollision von zwei Fw 190 seiner langen Erfolgsliste die Siege 20 und 21 hinzu, wofür er mit dem Distinguished Service Order, der zweithöchsten britischen Tapferkeitsauszeichnung, beliehen wurde! Bereits erhalten hatte Skalski zuvor die Goldene Tapferkeitsmedaille der frei-polnischen Streitkräfte.
Ab September 1944 für eine umfangreiche Stabsausbildung in die USA geschickt, kehrte Wing Commander Skalski im Februar 1945 nach Europa zurück und übernahm ein entsprechendes Kommando in England.
Mit seinen 21 anerkannten Luftsiegen in 321 Feindflügen war Stanislaw Skalski vor Witold Urbanowicz (17, DFC) und Eugeniusz Horbaczewski (16, DSO, DFC) der erfolgreichste polnische Jagdflieger der Royal Air Force geworden. Fünfmal hatte er es geschafft, in einem Luftkampf mehr als einen Gegner zu bezwingen, das heißt er hatte durch sogenannte Dubletten die Hälfte seiner Abschüsse erzielt.
Vier Jahre nach Kriegsende in seine polnische Heimat zurückgekehrt, hatte Skalski hier das Pech vom kommunistischen Regime als westlicher Kollaborateur angesehen (für den Kampf mit der RAF gegen den damals gemeinsamen Feind) und im Zuge eines Schnellprozesses zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt zu werden. Erst nach mehreren Monaten Haft rehabilitiert, nahm der Kriegsveteran ein Angebot der neuen polnischen Luftwaffe an und kehrte als Brigadegeneral zu den Streitkräften zurück. Im Laufe seiner Karriere als Divisionskommandeur und Stabsoffizier bis zum General aufgestiegen, trat Stanislaw Skalski 1968 in den Ruhestand. Hier stand er zuletzt dem zivilen polnischen Fliegerverband vor.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at