General der Panzertruppe Gerhard Graf von Schwerin
Ein Panzergeneral mit viel Zivilcourage
 
Steckbrief
 
 
Ü Infanteriesturmabzeichen
Ü Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Ärmelband "Afrika"
Ü Auszeichnung des italienischen Heeres (?)
Ü Verwundetenabzeichen in Silber 
 
Ü Ritterkreuz    17.01.1942
Ü Eichenlaub  (240)  17.05.1943
Ü
Schwerter
(041) 04.11.1943
 * 23.06.1899 in Hannover V 29.10.1980 in Rottach-Egern
 
   
Biographie
 
Der aus einem alten Adelsgeschlecht mit langer militärischer Tradition – so war Kurt Christoph von Schwerin 1740 zum preußischen GFM aufgestiegen - stammende Gerhard Graf von Schwerin trat unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in das kaiserliche Kadettenkorps ein und kam bereits als 17jähriger Fähnrich zum Kampfeinsatz. Nach kurzer Dienstzeit im 2. Garderegiment wurde der junge Offizier als Zugskommandant ins kampferprobte Grenadierregiment 2 versetzt - hier diente zu dieser Zeit auch der spätere Schwerterträger Friedrich-Wilhelm Müller. Die Kapitulation erlebte von Schwerin nach einer überstandenen schweren Verwundung als Oberleutnant und Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.
Bei Kriegsende abgemustert, stieg der Sohn des ehemaligen Polizeipräsidenten von Hannover in der Privatwirtschaft zum Leiter der Transportabteilung einer der ersten deutschen Treibstoffkonzerne auf.
1922 kehrte Graf von Schwerin auf eigenen Entschluss hin in die Reichswehr zurück. In Folge in den Generalstab aufgenommen, durchlebte er eine überdurchschnittlich steile Karriere und war 1938 als Oberstleutnant bereits Leiter der vielbeachteten Gruppe „USA/England“ in der Abteilung „Fremde Heere West“. Als der Offizier jedoch bei zunehmender Kriegsgefahr in mehreren Berichten auf Hitlers falsche Politik hinwies, wurde er aus dem Generalstab entfernt und mit der Übernahme des motorisierten Infanterieregiments "Großdeutschland" beauftragt. Dieses neue Regiment war im Kern aus dem Wachbataillon Berlin entstanden und stellte die absolute Elite des Heeres dar - eine Art Gegenstück zur Waffen-SS.
Im Rahmen des Westfeldzuges kam dem "Großdeutschland" gleich eine schwierige Aufgabe zu. 
Ein verstärktes Bataillon wurde mit kleinen Transportmaschinen hinter den belgischen Grenzbefestigungen abgesetzt und sicherte die strategisch wichtigen Straßen und Brücken im Gebiet von Nives, Witry und Neufcháteau. Wenige Stunden nach Beginn der Operation erreichten die deutschen Panzerspitzen dann diese gesicherten Räume und konnten so schnell durch die Ardennen vorstoßen. Im weiteren Verlauf des Westfeldzuges kämpfte das "Großdeutschland" im belgisch-französischen Grenzgebiet und an der Somme. Nördlich von Stonne schlug das Regiment u.a. groß angelegte Angriffe des Gegners zurück. Am 20. Juli nahm der Verband dann an der Besetzung von Lyon teil, Gerhard von Schwerin erhielt für seine Verdienste die Spangen zum Eisernen Kreuz 1914 verliehen.
Im Frühjahr 1941 wurde der vielseitige Offizier nach Nordafrika versetzt, wo er Stabschef im Regiment zbV. 200 wurde. 
Im März führte Gerhard von Schwerin ein besonders kühnes Unternehmen durch, als er an der Spitze einer deutsch-italienischen Abteilung einen langen Aufklärungsvorstoß in den Fezzan unternahm und dabei unfassbare 2.000 Kilometer zurücklegte! Hierdurch erhielt General Rommel wertvolle Informationen über die Feindlage und die damals noch unbekannten Begebenheiten der Wüste. Im April konnte die "Kampfgruppe Schwerin" die Oase Mechili einnehmen und über 2.000 Briten gefangen nehmen - darunter zwei Generäle.
Nachdem er danach erfolgreich das Panzerregiment 5 der 5. Afrikadivision während den Gefechten in Libyen befehligt hatte, wurde Oberst (01.08.41) von Schwerin im September 1941 zum Kommandeur des motorisierten Infanterieregiments 76 der 20. ID(mot.) an der Ostfront ernannt.
Im Rahmen der Heeresgruppe Nord bewährte sich der Regimentskommandeur in Angriff und Verteidigung am Wolchow, bei Schlüsselburg, an der Newa sowie bei Leningrad und erhielt dafür am 17. Januar 1942 das Ritterkreuz.
Ausschlaggebend hierfür war die Zerschlagung eines starken russischen Brückenkopfes bei Lobanow gewesen - hierbei hatten seine Bataillons die gegnerischen Stellungen dermaßen schnell gestürmt, dass eine bereits zum Angriff gestartete Stukastaffel beinahe nicht mehr zurückgepfiffen werden konnte. Den gesamten Sommer stand die Division am Ilmensee und südlich von Leningrad dann in schweren Abwehrkämpfen. 
Im Oktober 1942 wurde Gerhard von Schwerin im Alter von 43 Jahren zum Generalmajor ernannt und an die Spitze der 16. (mot.) Infanteriedivision gestellt, die sich in Frankreich schon unter Hans Hube bewährt hatte. Mit diesem erstklassigen Frontverband kämpfte er während der schweren Gefechte im Nordkaukasus - hierbei fungierte die Division als einziges Bindeglied zwischen den Truppen vor Stalingrad im Norden und der Heeresgruppe A im Kaukasus. Einzelne Spähtrupps konnten hierbei bis kurz vor die an der Nordküste des Kaspischen Meeres gelegene Stadt Astrachan vorstoßen.
Als die Division bei Chalcutta von vier sowjetischen Divisionen überflügelt und völlig eingeschlossen wurde, gelang der 16. ID(mot.) nach harten Gefechten aus eigener Kraft der Ausbruch. 
Als einer der letzten voll kampfkräftigen Verbände der 4. Panzerarmee (Hoth) nahm die 16. ID(mot.) im Winter 1942/43 an der Entsatzoffensive für den Stalingrad-Kessel (Operation "Wintergewitter") teil.
Im Februar 1943 konnte Generalmajor von Schwerin durch kluge Angriffstaktiken südwestlich des Kessels zwei sowjetische Schützendivisionen überflügeln und vernichten.
Nach Rückzugsgefechten in Richtung Mius wurde die 16. ID(mot.) im Frühjahr 1943 aus der Front gezogen, aufgefrischt und zur Panzergrenadierdivision umgegliedert. Nach einigen Monaten kehrte die Division zur Heeresgruppe Süd zurück. 
Am 17. Mai 1943 erhielt der Kommandeur für die Leistungen seiner Grenadiere im Mius-Abschnitt, am selben Tag wie Franz Griesbach, Erich Bärenfänger und Georg Bochmann, das 240. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Im Herbst wurde von Schwerins Division dem XXXX. Panzerkorps unterstellt. Es folgten schwere und verlustreiche Rückzugsschlachten bei Isjum, Slawjansk, Stepanowsk und Kriwoi-Rog, wobei die Division im Oktober im Wehrmachtsbericht genannt wurde: "Die 16. Panzergrenadierdivision unter Führung des Generalleutnants Graf von Schwerin verdient für ihre vorbildliche Einsatzfreudigkeit während der großen Absetzbewegung ostwärts des Dnjepr und bei den Kämpfen im Brückenkopf von Saporoshje besondere Anerkennung." Diese wurde dem Divisionskommandeur am 4. November 1943 in Form der 41. Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub auch zuteil.
Da es an Panzerdivisionen fehlte, erhielt von Schwerin im Frühjahr 1944 den Befehl, seine Division zur 116. Panzerdivision umzurüsten - mit den neuen Tigern und Panthern ausgestattet, besaß der Verband einen besonders hohen Kampfwert. Stabschef der Division war übrigens Ritterkreuzträger Major i.G. Heinz-Günther Guderian, Sohn des berühmten Panzerspezialisten und späterer Generalmajor der Bundeswehr.
Als am 6. Juni 1944 überraschend amerikanische, britische, französische und kanadische Streitkräfte in der Normandie landeten, lag die 116. PD nördlich von Guyon in Bereitstellung. Doch die kampfkräftige Division kam nicht zum Einsatz - dahinter steckte ein ganz besonderer Grund...
Sein bereits mehrmaliges öffentliches Auftreten gegen Hitlers Kriegsführung rückte den Grafen von Schwerin in den Blickwinkel des Militärischen Widerstandes um Graf Schenk von Stauffenberg [07]. Dies führte dazu, dass Generalleutnant Speidel [15], zu dieser Zeit Stabschef der Heeresgruppe B in Frankreich, auf den Gedanken kam, von Schwerins 116. Panzerdivision sowie die 2. Panzerdivision des ebenfalls als Hitlergegner bekannten Heinrich von Lüttwitz in die Umsturzpläne des Widerstandes einzubeziehen.
Trotz der seit Wochen tobenden Abwehrschlacht an der Invasionsfront in der Normandie behielt Speidel die beiden kampfkräftigen Divisionen unter einem Vorwand bis Ende Juli im Raum Groß-Paris zurück. Sobald Hitler durch von Stauffenbergs Bombe getötet worden wäre, sollten diese beiden Verbände für einen möglichen Einsatz gegen hitlertreue Truppen in Frankreich bereitstehen. Doch am 19. Juli - einen Tag vor dem Attentat - konnte Speidel den Verlegungsbefehl für die 116. Panzerdivision nicht länger zurückhalten. Der Großverband rückte in Richtung Normandie ab.
Zusammen mit der SS-Panzerdivision "Hitlerjugend" (Meyer) und einigen Divisionen der Heeresgruppe B griff von Schwerin im Zuge der ersten größeren Gegenoffensive die britischen Truppen in der Normandie an. Durch ihre schnellen Angriffe erwarb sich die 116. PD bald den Namen "Windhund-Division". Nach schweren Verlusten gaben die deutschen Truppen die Gegenangriffe auf und gingen in die Verteidigung über.
In den folgenden Rückzugskämpfen dirigierte Generalleutnant von Schwerin seine angeschlagene Division über die Orne aus dem Kampfgebiet heraus und entging so dem späteren Kessel von Falaise. Geschockt von den eigenen Verlusten und den sinnlosen Befehlen Hitlers bewies der Divisionskommandeur bewundernswerte Courage und verfasste zusammen mit dem bereits genannten Heinrich von Lüttwitz ein Memorandum, in dem er das Ende des Krieges und die Beseitigung des Regimes forderte. Vermutlich blieben beide Offiziere nur aufgrund ihrer vergangenen Verdienste unbehelligt.
Im Herbst 1944 wurde die 116. Panzerdivision mit mehreren Divisionen der Heeresgruppe B (Model) in die Abwehrschlachten um Aachen geworfen. 
Als von Schwerin erkannte, dass seine Truppen die um ein Vielfaches überlegenen US-Truppen niemals aufhalten würden können, bewies er erneut Entschlossenheit. Er verfasste einen persönlichen Brief an den US-General Hodges, welcher die vor Aachen kämpfende 9. US-Armee befehligte. In diesem bat von Schwerin seinen Gegner, die kulturell wertvolle und mit Zivilisten und Flüchtlingen überfüllte Stadt nicht zu zerstören und bot als Gegenleistung den kampflosen Rückzug seiner Division an. Doch statt bei Hodges landete dieses Angebot auf dunklen Wegen in NSDAP-Kreisen.
Inzwischen trat Hodges nach wochenlangen Kämpfen zum Sturmangriff auf Aachen an, die deutschen Stellungen wurden überrannt und von Schwerins 116. PD musste sich zurückziehen. Da dies ohne offiziellen Armeebefehl geschah, wurde die schwierige Lage des Divisionskommandeurs noch weiter verschärft. Wegen des nicht genehmigten Rückzuges sowie des eigenmächtigen Übergabeangebotes an den Feind wurde von Schwerin im September 1944 seines Postens enthoben und vor ein Kriegsgericht gestellt - die schwerwiegende Anklage lautete auf Hochverrat. Doch Gerhard von Schwerin hatte unglaubliches Glück - mit Unterstützung der Generalfeldmarschälle von Rundstedt und Model konnte er seinen Kopf buchstäblich aus der Schlinge ziehen und erhielt nur einen strengen Verweis.
Im Dezember 1944 übernahm von Schwerin die 90. Panzergrenadierdivision, welche unter dem Schwerterträger Baade erfolgreich in Italien gekämpft hatte. Am 1. Januar 1945 erreichte Graf von Schwerin den Höhepunkt seiner militärischen Karriere, als er das LXXVI. Panzerkorps in Norditalien übernahm. Am 26. April geriet der General der Panzertruppe (01.04.45) in britische Kriegsgefangenschaft, die bis Ende 1947 andauerte.
Gerhard von Schwerin war übrigens nicht der einzige General in seiner Familie gewesen. Richard von Schwerin brachte es als Generalleutnant bis zum Divisionskommandeur, der 1944 in Russland gefallene Bogislaw von Schwerin hatte in der Infanterie den Rang eines Generalmajors erreicht.
Der junge Albert von Schwerin hatte als Kampfflieger 1940 unmittelbar vor seinem Tod das Ritterkreuz erhalten.
Bereits im Mai 1950 - fünf Jahre vor Gründung der neuen Bundeswehr - wurde Graf von Schwerin durch die Regierung Adenauer als Berater für Militär- und Sicherheitsfragen verpflichtet. Als Leiter der "Zentrale für Heimatdienst" wurde der General a.D. mit dem Aufbau der Bundespolizei auftragt, dies war der erste Schritt zu einer deutschen Wiederbewaffnung unter Kontrolle der Westmächte.
Als später die Bundeswehr entstand, entschied sich der Veteran zweier Weltkriege jedoch gegen eine erneute Militärkarriere und wurde wehrpolitischer Berater der FDP im deutschen Bundestag. Gerhard Graf von Schwerin ist 1980 in Bayern gestorben.

Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, ritterkreuz.at