Hubert Pölz
1.055 Feindflüge über Malta, Afrika, Russland und Finnland
 
Steckbrief
 
Hauptmann der Wehrmacht
Major d.R. des Bundesheeres
Ritterkreuz am 5. Februar 1944
Eichenlaub am 25. November 1944
 
   
Biographie
 
Bereits 1935 im Alter von noch nicht mal 19 Jahren Inhaber des zivilen Pilotenscheins, trat der am 24.01.17 in Oberösterreich geborene Hubert Pölz 1938 als Offiziersanwärter in die deutsche Luftwaffe ein. Nach harter Ausbildung an der Stukaschule als Oberfähnrich an die Front versetzt, erlebte Pölz im Jänner 1941 mit der 6. Staffel des Stukageschwaders 2 "Immelmann" seinen ersten Einsatz. Zusammen mit aus Polen, Frankreich und England erfahrenen „Immelmännern“ bombte Pölz Hafen- und Werftanlagen der britischen Hafenfestung Malta zusammen. Das teilweise Einstellen dieser erfolgreichen Angriffe - die Stukas wurden wenig später nach Nordafrika verlegt - sollte sich später als schwerer Fehler der Luftwaffenführung erweisen, denn Malta wurde zum Sargnagel für Rommels Nachschubtransporte.
In der Cyrenaika angekommen, waren die Stukas zusammen mit einigen Jagdfliegern und Aufklärern die ersten Luftwaffeneinheiten an diesem neuen Kriegsschauplatz.
Nach zwei Monaten an der staubigen, afrikanischen Front für seine Leistungen bereits mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet und zum Leutnant befördert, bombten die Stukas unter dem Schutz der schnellen Messerschmitt-Jäger dem Afrikakorps den Weg Richtung Ägypten frei, vernichteten Panzerkolonnen, Treibstoffstützpunkte, Hafenanlagen und Festungswerke. Ebenfalls im Einsatz waren die „Immelmänner“ beim Angriff gegen den großen britischen Flugzeugträger „Formidable“, bei dem das große Kriegsschiff schwer beschädigt wurde.
Zwischen Dezember 1941 und Mai 1942 wurden dann aus den genannten Gründen erneute Luftoffensiven gegen Malta notwendig, doch nun erlitten die Ju 87 durch die wiedererstarkte britische Abwehr herbe Verluste. Pölz hatte inzwischen das EK.I erhalten, nachdem er im Juni u.a. einen großen Truppentransporter im Mittelmeer versenkt hatte. Auch dem Oberösterreicher zugeschrieben wurde ein Volltreffer auf den Zerstörer Aukland, welcher vor Tobruk sank. Während eben dieses Einsatzes wurde seine Ju 87 aber durch eine britische Hurricane schwer getroffen. Als Leutnant Pölz den Havaristen hinter der nahen Küstenlinie notlanden konnte, war der Bordschütze bereits seinen Wunden erlegen. Dies sollte dem späteren Eichenlaubträger im Laufe der nächsten Jahre noch öfter passieren.
Mit einem neuen Bordschützen rächte er seinen toten Kameraden und bewies erneut großen Mut, er platzierte eine 1.000 kg Bombe zielsicher zwischen die Geschütztürme eines mittleren Kreuzers der Royal Navy. Diesmal entging er Flakfeuer und Hurricanes.
Im Mai 1942 kehrte Leutnant Pölz als Kapitän der 6. Staffel - nun ins Stukageschwader 3 transferiert - nach Afrika zurück, und erlebte die Rückzugsschlachten nach der Niederlage von El Alamein und die Endschlachten in Tunesien.
Hier fiel der Afrikaveteran der alliierten Luftüberlegenheit zum Opfer und wurde über dem Tuniskessel von einem amerikanischen Jäger abgeschossen. Mit dem Fallschirm ausgestiegen, musste Pölz mit ansehen, wie der gegnerische Pilot seinen Bordschützen in der Luft zusammenschoss! Der Staffelkapitän hatte das Glück, zwar schwer am Bein verletzt, aber lebend am Boden aufzukommen. Unmittelbar vor dem Kollaps des Kessels mit dem Flugzeug evakuiert, konnte der Flugzeugführer erst vier Monate später das Lazarett verlassen. Hubert Pölz erhielt nun nach einem Ehrenpokal auch bereits das Deutsche Kreuz in Gold.
Zwei Monate nach seiner Rückkehr, im September 1943, an die Spitze der 7. Staffel gewechselt, erreichte ihn an der Russlandfront endlich die Beförderung zum Oberleutnant. Über Orel, Charkow und Gomel ebenso im Einsatz wie über dem Schwarzen Meer, zeigte das Flugbuch des Offiziers inzwischen 500 Feindflüge. Seinen Ruf als Kriegsschiffkiller wurde Pölz auch an dieser Front gerecht und vernichtete in einem Einsatz mit seinen Piloten drei russische Zerstörer. Ebenso nicht vor den Stukas sicher waren Truppenmassierungen, Bunkeranlagen, Artilleriestellungen und Brücken bei Poltawa, Kiew und den Schlachtfeldern der Krim. Als Oberleutnant Pölz von seinem 672. Feindflug landete, empfing ihm eine jubelnde Bodencrew und gratulierte ihm zur eben bekannt gewordenen Ritterkreuzverleihung. Sein Bordschütze erhielt für seinen monatelangen erfolgreichen Einsatz mit dem Österreicher später das Deutsche Kreuz in Gold.
Als ein Großteil des Stukageschwaders 3 aufgrund der besseren Leistung auf die einsitzige Focke-Wulf Fw 190 umschulte, saß Pölz fortan alleine im Cockpit. An der Finnlandfront und im Kessel von Kurland lernte der ehemalige Stukaflieger die Vorteile dieses schwer bewaffneten und schnellen Jagdbombers zu schätzen und erzielte im Abwehrkampf nicht weniger als elf Luftsiege über russische Angreifer! Besonders in Kurland wurden die Maschinen des Schlachtgeschwaders 3 für die hart bedrängten Bodentruppen oftmals zum letzten Rettungsanker. Als Oberleutnant Pölz am 22. November 1944 nach vierjährigem Fronteinsatz seinen 1.000 Feindflug absolvierte, stieg er in eine elitäre Gruppe der Kampfflieger auf. Bis Kriegsende sollten lediglich etwa 35 Flieger der Luftwaffe diese unfassbare Schwelle erreichen. Für seine konstanten und teilweise überragenden Leistungen in dieser Zeit wurde Hubert Pölz wenig später mit dem 661. Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wiederum trugen nur 39 Stukaflieger.
Bis Kriegsende erhöhte der nun hoch dekorierte Offizier als Hauptmann und Kommandeur der I. Gruppe im Schlachtgeschwader 151 in Norddeutschland seine Feindflugzahl auf 1.055 (351 davon auf der Fw 190) und überlebte auch die 1945 drückende Luftherrschaft der Alliierten. Viermal war Pölz abgeschossen und hierbei dreimal verwundet worden. Nach dem Erlebnis über Tunesien hatte sich der Hauptmann aber nie mehr für den Fallschirm entschieden. Im Mai 1945 ergab sich der Eichenlaubträger, zuletzt noch erfolglos zur Beförderung zum Major eingereicht gewesen, in Dänemark den Siegermächten.
Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft sich voller Energie in das blühende Wirtschaftswunder der Fünfzigerjahre stürzend, stampfte Hubert Pölz 1950 das erste Privatflugunternehmen der 2. Republik aus dem Boden und baute die ÖFAG bis 1976 enorm aus. In diesem Jahr zählte das Unternehmen sechs Tochterfirmen (unter anderem in der KfZ-und Treibstoff-Branche), eine Flugzeugwerft, eine eigene Flugschule, 26 Maschinen, 1.400 Mitarbeiter und umfangreiche Flugstrecken im In- und Ausland.
Bis zuletzt manchmal selbst am Steuerknüppel sitzend, gehörte der Veteran als einer von nur drei Eichenlaubträgern auch den neuen Streitkräften an und trat 1961 als Hauptmann d.R. dem Reserveoffizierskorps der Fliegertruppe bei. Für den Mobilmachungsfall als Staffelführer im Jagdbombergeschwader oder Kasernenkommandant vorgesehen, bat der viel beschäftigte Geschäftmann jedoch nach drei Jahren um eine Befreiung von weiteren Waffenübungen. Diesem Wunsch entsprechend, gehörte der inzwischen zum Major d.R. aufgestiegene Veteran trotzdem weiterhin der Reserve an und wurde 1982 ehrenvoll abgemustert. Einige Jahre später zog sich der zweifache Familienvater auch aus dem Geschäftsleben zurück.
Während eines Spanienurlaubs am 7. Januar 1992 spurlos verschwunden - er soll beim Baden von einer Klippe gestürzt sein - wurde Hubert Pölz 2002 amtlich für tot erklärt. Die ÖFAG wurde 1986 in Aerotechnik GmbH umbenannt und ist heute noch erfolgreich in der Branche tätig.

Anmerkung des Autors:
Auf die „Entdeckung“ des Reservestatus von Hubert Pölz im 2. ÖBH bin ich sehr stolz, da dieses Detail in keinem bisherigen Buch erwähnt ist. Ich selbst fand die Spur zufällig beim Namensvergleich aller Flugzeugführer des ÖBH seit 1955 mit dem Namensverzeichnis des Fellgiebel-Lexikons.

Quelle: „Ritterkreuzträger im Österreichischen Bundesheer 1955-1985“ von Florian Berger, ritterkreuz.at