Squadron Leader Marmaduke "Pat" Pattle
Der Schrecken von Griechenland
 
Steckbrief
 
 ROYAL AIR FORCE 50 Abschüsse
 
   
Biographie
 
Wie viele Abschüsse Flight Lieutenant „Pat“ Pattle - mit vollen Namen Marmaduke Thomas St. John Pattle - in seiner kurzen Karriere wirklich erzielt hat, kann nicht mit Sicherheit ermittelt werden. Mit den ihm zugeschriebenen 50 Siegen gegen Deutsche und Italiener ist er jedoch mit Sicherheit der treffsicherste westalliierte Jagdflieger des Krieges.
Der gebürtige Südafrikaner trat 1936 in die Royal Air Force ein und wurde nach seiner Grundausbildung an eine Jagdfliegerschule versetzt. Bei Kriegsbeginn 1939 diente Flying Officer Pattle als Rottenführer in der mit Gloster Gladiator ausgerüsteten No. 80 Squadron in Ägypten. Während in Europa die ersten großen Schlachten tobten, blieb es in Nordafrika ruhig; erst mit dem Kriegseintritt Italiens auf deutscher Seite wurde auch Ägypten zum Frontgebiet. Erste Einsatzerfahrungen konnte Pattle bei Geleitschutzmissionen für Bomber gegen den italienischen Hafen von Tobruk (Libyen) sammeln. Bereits am 4. August 1940 konnte er hierbei zwei Angreifer abschießen, musste jedoch aufgrund von eigenen Beschussschäden in der Wüste notlanden. Nur mit einer kleinen Wasserflasche ausgerüstet, stapfte der hitzegewöhnte Südafrikaner mehrere Stunden durch die Wüste, ehe ihn ein britischer Armeejeep aufgabelte. Nur vier Tage später unterlagen Pattle erneut zwei italienische Gegner. 
In diesen Monaten konnte die RAF über Ägypten und Libyen die Luftüberlegenheit erkämpfen, da die italienische Luftwaffe über keine gute Organisation verfügte und meist veraltete Flugzeuge einsetzte. So war Pattles an sich selbst veraltete Gloster Gladiator (Doppeldecker, 400 km/h, vier 7,7 mm MG's) den meisten italienischen Jagdmaschinen immer noch ebenbürtig. „Pat“ konnte sich zudem auf seine ausgezeichneten fliegerischen Fähigkeiten und ein sehr gutes Auge beim Schießen verlassen. Als die No. 80 Squadron im Frühjahr 1941 auf die modernere Hawker Hurricane umrüstete, hatte Pattle insgesamt 12 bestätigte Abschüsse in Nordafrika erzielt und war somit zu einem der erfolgreichsten britischen Jagdflieger geworden. Als der Flying Officer während seines ersten Luftkampfes mit der neuen Hurricane gleich fünf Abschüsse erzielte, erhielt er das Distinguished Flying Cross verliehen.
Nachdem im März 1941 zuerst italienische und kurz darauf auch deutsche Truppen in Jugoslawien und Griechenland eingefallen waren, wurden in einer Blitzoperation 58.000 britische Soldaten von Ägypten auf den Balkan verlegt. Auf diesem neuen Kriegsschauplatz eingesetzt, erhöhte Pattle sein Konto schnell auf 20 Siege, ehe er als Flight Lieutenant das Kommando über die No. 30 Squadron erhielt. Seinen ersten deutschen Gegner holte er am 6. April als 26. Luftkampferfolg vom Himmel.
Während die deutschen Bodentruppen innerhalb der nächsten Wochen immer wieder die alliierten Frontlinien durchbrachen und schnell nach Süden vorstießen, war Pattle mit seinen Piloten bemüht, nicht nur die schwer bedrängten Bodentruppen während ihren Rückzügen zu decken, sondern auch die zahlenmäßig massiv eingesetzten deutschen Bomber abzufangen. Und hierbei stieß „Pat“ Pattle zu ungeahnten Leistungsgrenzen vor – innerhalb von 39 Tagen bestätigten seine Flügelmänner nicht weniger als 26 Luftsiege über feindliche Maschinen. Am 14. April waren es fünf, am 19. weitere sechs Siege - unter letzteren befand sich höchstwahrscheinlich auch die Maschine von Oberleutnant Kurt Ubben vom Jagdgeschwader 77. Unverletzt notgelandet und zu seiner Einheit zurückgekehrt, erzielte dieser Offizier bis zu seinem Tod im April 1944 über 100 Luftsiege und erhielt als einer von nur 244 Jagdfliegern das Ritterkreuz mit Eichenlaub.
Gegen schwerfällige Bomber wie He 111 und Ju 87 ebenso erfolgreich wie gegen die wendigen Bf 109 Jäger, flog Pattle bis zu drei Einsätze täglich und musste zusätzlich auch mehrmals mit seiner Staffel nach hinten verlegen. Ein weiteres erfolgreiches Fliegerass der Einheit wurde „Cherry“ Vale, welcher über Griechenland 19 seiner letztendlich 30 Siege errang und nach Pattles Tod lange Zeit der erfolgreichste aktive Jagdflieger der britischen Luftwaffe war.
Am 20. April 1941, einen Tag vor der Kapitulation Griechenlands und unmittelbar vor der Evakuierung des geschlagenen britischen Expetitionskorps nach Afrika, führte Squadron Leader Pattle seine Staffel gegen eine Gruppe deutscher Bf 110 Zerstörer mit Jagdschutz. Es war sein bereits zweiter Einsatz an diesem Tag. Trotz der Strapazen der letzten Wochen flog Pattle wie üblich wilde Manöver und nahm gerade erfolgreich eine Bf 110 unter Beschuss, als er über Funk den Hilferuf eines Staffelkameraden hörte. Dieser sah sich dem Angriff mehrerer Gegner ausgesetzt und hatte bereits erste Treffer erhalten, als ihm sein Staffelkommandeur zu Hilfe kam und die Verfolger unter Feuer nahm. Dadurch abgelenkt, sah Pattle jedoch nicht, wie sich zwei weitere deutsche Zerstörer hinter ihn setzten und das Feuer eröffneten. Die Hurricane des so erfolgreichen Fliegerasses wurde durch 20 mm Geschosse förmlich durchsiebt und schlug brennend zwischen einigen steinigen Hügelketten auf.
Durch den überhasteten Rückzug der Briten aus Griechenland gingen sämtliche Abschussmeldungen der letzten Monate leider verloren, so dass die Zahl Pattles bestätigter Luftsiege nur bei 25 liegt. Durch die beeideten Aussagen seiner Kameraden und Flügelmänner wurde diese sicherlich zu geringe Zahl später offiziell auf 50 (in 26 erfolgreichen Luftkämpfen) erhöht. Unmittelbar vor seinem Tod hatte der tapfere Südafrikaner ein zweites Distinguished Flying Cross erhalten. Obwohl bis Kriegsende von keinem britischen Jagdflieger übertroffen, wurde Pattle nie postum mit dem DSO beliehen.
 
Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at