Major Helmut Meitzel
Aus der Hölle von Stalingrad ausgeflogen
 
Steckbrief
 
Ü Nahkampfspange in Bronze nicht verliehen
Ü Nahkampfspange in Silber Sommer 1943
Ü Nahkampfspange in Gold 29.09.1943
Ü Ritterkreuz 27.07.1944
     
Ü zuletzt 75 Nahkampftage
Ü Infanteriesturmabzeichen in Bronze
Ü Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Anerkennungsurkunde des Heeres, Nennung im Ehrenblatt des Heeres
Ü Panzervernichtungsabzeichen für Einzelkämpfer
Ü Deutsches Kreuz in Gold, Verwundetenabzeichen in Gold
* 24.04.1920 in Wabern/Hessen V 09.07.2004 in Bad Wildungen/Hessen
 
   
Biographie
 

Geboren am 24. April 1920 in Hessen, meldete sich Helmut Meitzel am Tag nach seinem Schulabschluss mit gerade mal 18 Jahren zur Wehrmacht. 1939 schon Unteroffizier, diente er bei Kriegsbeginn als Gruppenführer im (mot.) Infanterieregiment 15. Für besondere Tapferkeit während des Polenfeldzuges bereits mit dem EK.II ausgezeichnet, wurde der 20jährige aufgrund der gezeigten Leistungen und vorausschauender Vorgesetzter zur Offiziersausbildung ausgewählt und Meitzel kehrte nach Besuch der Kriegsschule Döberitz im Frühsommer 1940 als Leutnant zur Truppe zurück.Hier übernahm der Hesse einen Zug seines alten Bataillons.
Als die 29. (mot.) Infanteriedivision, zu dessen vielversprechendsten Offizieren sich der junge Mann bald zählen durfte, während des Blitzkrieges gegen die Westmächte außerordentlich erfolgreich war, erhielt der damalige Divisionskommandeur Generalmajor Willibald von Langermann bereits das Ritterkreuz verliehen. Während der entschlusskräftige Regimentskommandeur des 15ten, Oberst Wessel, ebenfalls bereits den hohen Halsorden bekam, konnte sich Leutnant Meitzel über das EK.I freuen. Die als „Falken“-Division bekannte 29. ID(mot.) hatte bei Stonne, Sedan, an der Marne und um Belfort immer wieder die alliierten Linien durchbrochen, Panzerverbände unterstützt oder Feindverbände zur Aufgabe gezwungen. Nach einer längeren Garnisonszeit 1941 nach Russland transportiert, überstand Leutnant Meitzel als Zugführer im Juli zwei Verwundungen, während die Division bei Zelwa, an der Stalin-Linie, vor Smolensk und im Desna-Bogen erneut zum Einsatz kam. Als im Winter 1941 vor Moskau gekämpft wurde, litten die tapferen Grenadiere des 15ten nicht nur unter den mörderischen Temperaturen, sondern auch unter dem nicht zu brechenden Abwehrwillen der Roten Armee. Die erst 76. Eichenlaubverleihung an ihren Chef Oberst Wessel unterstrich aber erneut die großen Erfolge des Regiments. Während den Frühjahrsgefechten im Mittelabschnitt zum Oberleutnant befördert, kommandierte Helmut Meitzel in Folge die 8. (MG) Kompanie und wurde trotz seines Alters von erst 22 Jahren einer der erfahrensten Kämpfer des Regiments. Im Sommer 1942 erneut zur Offensive angetreten, kämpfte sich die 29. ID(mot.) durch die Ukraine bis an den Donbogen vor.
Im August zum Sturm gegen Stalingrad angetreten, eroberten die deutschen Truppen zwar in härtesten Kämpfen den Großteil der Stadt, wurden Ende November jedoch durch eine gut vorbereitete Gegenoffensive entlang der Flanken erschüttert und schließlich eingekesselt. Obwohl 17 kampfkräftige Divisionen sich innerhalb des Kessels befanden und im Winter eine eigens aufgestellte Panzerarmee einen Entsatzversuch unternahm, sollte die eingekesselte 6. Armee unter Generaloberst Paulus diese Probe nicht bestehen. Während wochenlanger Kämpfe, die an Heftigkeit und Entschlossenheit nicht zu überbieten waren, erlitten beide Seiten sowie die ins Chaos mit hineingezogene Bevölkerung der Stadt schreckliche Verluste. Im Südteil des Kessels eingesetzt, schrumpfte die einst so stolze „Falken“-Division unter den Schlägen der Roten Armee immer weiter zusammen. Oberleutnant Meitzel führte seine ausgelaugten Männer mit immer schlechterer Ausrüstung bald ohne Unterstützung schwerer Waffen in dutzende Abwehrschlachten, ehe er am 10. Jänner 1943 durch einen Unterschenkel-Durchschuss schwer verwundet wurde. Nachdem er im Kessel mindestens 30 Nahkampftage überstanden hatte – zuletzt als Führer der einzigen noch einsatzfähigen Kampfgruppe des Regiments – hatte der junge Oberleutnant das Glück, mit einer der letzten Transportmaschinen aus der Hölle von Stalingrad ausgeflogen zu werden. Behindert durch Schnee und Eis, angegriffen von Jagdmaschinen und Flak und gepeinigt von den erlebten Szenen auf dem völlig überfüllten Flugfeld, hatten Piloten der Luftwaffe in monatelangen Einsätzen tausende Verwundete gerettet.
Nachdem sich Oberleutnant Meitzel von seinen Wunden erholt hatte, erhielt er im Frühjahr 1943 Befehl, sich bei der gerade in Neuaufstellung befindlichen „Falken“-Division zu melden. Hier an die Spitze der Stabskompanie seines alten Regiments gestellt, erhielt die nun als 29. Panzergrenadierdivision geführte Einheit im Sommer 1943 ihre Feuertaufe. Unter dem Kommando des erfahrenen Generalmajors Walter Fries traf die Division in Sizilien ein und kämpfte hier gegen die zuvor unter dem berühmten US-General George Patton gelandeten US-Truppen. Während den harten Abwehreinsätzen bei Palermo und Messina sammelte Meitzel an der Spitze seiner Landser erneut 20 Nahkampftage und erhielt am 29. September 1943 als erst 4. Soldat der Wehrmacht die Nahkampfspange in Gold verliehen. Mit ungefähr 75 Nahkampftagen sollte der kampferprobte Kompaniechef einer der am meisten derart eingesetzten Soldaten werden. Nach dem Rückzug auf das italienische Festland in Kalabrien durch britische Truppen zurückgedrängt, konnten die Grenadiere der Division zusammen mit einigen Elite-Einheiten der Italienfront bei Salerno erneut zeigen, welch Abwehrerfolge denkbar sind. Obwohl mehrere Divisionen der US-Armee an der italienischen Südwestküste gelandet waren und von Schiffs-, Boden- und „geflügelter“ Artillerie unterstützt wurden, schafften es die zum Gegenangriff angetretenen deutschen Truppen beinahe, die Invasion zum Scheitern zu bringen. Erst nach heftigen Gefechten um Altavilla und Albanelle mussten die Landser der Übermacht weichen. Für Meitzel und seine treuen Männer folgten Dauereinsätze beim berühmten Monte Cassino sowie dem amerikanischen Landekopf von Anzio-Nettuno. Während Generalleutnant Fries stellvertretend für seine tapfere Division das Eichenlaub erhielt, wurde auch Hauptmann (01.07.43) Meitzel mit Auszeichnungen überhäuft. Inzwischen Kommandeur des II. Bataillons, erhielt der erfahrene Frontkämpfer eine Anerkennungsurkunde des Oberbefehlshabers des Heeres, wurde ins Ehrenblatt des Heeres eingetragen, trug bereits das Deutsche Kreuz in Gold und wurde sogar namentlich im Wehrmachtsbericht genannt. Sein bewährter Regimentskommandeur Oberst Max Ulich erhielt das Ritterkreuz. Nach Abwehrgefechten südlich von Rom während der Schlacht von Florenz zum bereits achtenmal verwundet – zuletzt durch Splitter im Gesicht und dem Oberschenkel - konnte Meitzel mit seinem Bataillon derart erfolgreich alliierte Angriffe zurückschlagen, dass er von Generalleutnant Fries mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde. Daraufhin mit erst knapp 24 Jahren vorgezogen zum Major befördert, hatte Helmut Meitzel diesen Dienstgrad als einer der jüngsten Offiziere des millionenstarken Heeres inne. Nur wenig später vertraute ihm sein erfahrener Divisionskommandeur dann auch noch die Führung des Panzergrenadierregiments 71 an. Im Oktober 1944 mit einem Fronteinsatzverbot belegt, erhielt Meitzel seine Versetzung nach Deutschland, wo er Lehrgruppenleiter an einer Panzertruppenschule nahe Brünn wurde. Hier erlebte der hochdekorierte Offizier das Kriegsende.
Nach verschiedensten Betätigungsfeldern – eine gescheiterte Pelztierzucht, Arbeiten als Vertreter sowie das Betreiben einer kleinen Pension – konnte Meitzel 1956 endlich wieder eine Uniform anziehen. Aufgrund hervorragender Eignung in die neuen Streitkräfte aufgenommen, diente Meitzel u.a. im Stab der Panzergrenadierbrigade 4, ehe er 1965 als Oberstleutnant Stabschef der 11. Panzergrenadierdivision wurde. Später in einer hohen Position in der Führungsakademie der Bundeswehr eingesetzt, leitete Oberst Meitzel die erste Planspielgruppe der Streitkräfte und beendete seine Karriere 1979 als Kommandeur der Schule für Feldjäger und Stabsdienste in Sonthofen. Sein ältester Sohn trat später ebenfalls in die Bundeswehr ein und beendete seine Karriere als Oberstleutnant der Fernmeldetruppe. Dessen Bruder war Fähnrich d.R. der Fallschirmtruppe. Oberst a.D. Meitzel verstarb am 9. Juli 2004 in seiner Heimatgemeinde.

Quelle: „Ritterkreuzträger mit Nahkampfspange in Gold“ von Florian Berger, ritterkreuz.at