Commander David McCampbell
Kommandeur der Fabled Fifteen
 
Steckbrief
 
 US NAVY  34 Abschüsse
 
   
Biographie
 
Bereits lange vor Kriegsbeginn Berufsoffizier, kam der 1910 in Alabama geborene McCampbell 1942 als Deckoffizier auf dem kleinen Flugzeugträger USS Wasp zum Einsatz und hatte das Glück, dessen Versenkung durch ein japanisches U-Boot heil zu überstehen.
In Folge Lehrgangsleiter bzw. Stützpunkt-Kommandeur in den Staaten, erreichte Commander McCampbell erst wieder im Herbst 1943 die pazifische Front und übernahm die auf der USS Essex eingesetzte 15th Fighter Squadron. Bereits wenig später stieg der erfahrene Offizier als Kommandeur der Air Group 15 zum Kommandeur sämtlicher fliegenden Verbände dieses mächtigen Flugzeugträgers auf. Bestehend aus Torpedo-, Bomber- und Jagdflugzeugen war es die Hauptaufgabe dieser Einheit, feindliche Schiffe zu finden und zu versenken, die eigene Flotte vor feindlichen Luftangriffen zu schützen, taktische Angriffe gegen Landziele zu fliegen sowie die im modernen Krieg lebenswichtige Feindaufklärung durchzuführen. Bestehend aus etwa fünfzig Maschinen, meist F6F Hellcat (Jäger), SBD Dauntless (Sturzbomber) und TBF Avenger (Torpedobomber), sollte die Air Group 15 binnen kürzester Zeit zur mit Abstand erfolgreichsten fliegenden Einheit der US Navy werden – ihr Kommandeur David McCampbell war Zugpferd und zugleich Hauptträger dieses unvorstellbaren Erfolges.
Nach ersten Kampfeinsätzen in Frühsommer 1944 kam die Air Group 15 im Juni während der Seeschlacht von Saipan zum Einsatz, wobei Commander McCampbell mit einer „Zero“ seinen ersten Luftsieg errang. Als er am nächsten Tag in einem einzigen Gefecht fünf japanische Sturzkampfbomber vom Himmel holte, wurde er bereits zum Fliegerass. Obwohl bis dahin im Luftkampf unerfahren und schon 34 Jahre alt – letzteres hatten ihm seine Vorgesetzten bei früheren Versetzungsgesuchen immer vorgehalten -, agierte McCampbell mit seiner Jagdmaschine wie ein junger Heißsporn. Er flog gezielte Angriffe aus jeder Fluglage, ließ sich nur selten abschütteln und verblüffte seine jüngeren Untergeben durch einen kaum zu überbietenden Kampfgeist. 
Bereits mit dem Silver Star beliehen, führte McCampbell seine Staffeln in Dutzenden Einsätzen an. Die Air Group 15 versenkte zwischen Mai und November 1944 insgesamt fast 300.000 Bruttoregistertonnen an feindlichem Schiffsraum, vernichtete 318 Flugzeuge in der Luft sowie etwa die gleiche Anzahl am Boden und verdiente sich nicht nur den Ruf der härtesten Navy-Einheit, sondern auch den ehrfürchtigen Spitznamen „Fabled Fifteen“, zu deutsch die „Fabelhafte Fünfzehnte“. 
Unter McCampbell dienten so erfolgreiche Asse wie George Duncan (13,5), John Strane (13), Wendell Twelves (13) oder John Symmes (11).
Am 19. Juni 1944 führte David McCampbell seine „Fabled Fifteen“ im Verband mit weiteren Staffeln von insgesamt fünfzehn amerikanischen Flugzeugträgern in die Schlacht in der Philippinensee. 
Hier trat die US Task-Force 58 gegen eine von Admiral Ozawa geführte japanische Flotte an - Ziel der Operation war nicht nur die Vernichtung dieser Flotte, sondern auch die Lahmlegung der japanischen Stützpunkte auf dem Festland, um die Landung der Bodentruppen vorzubereiten. 
Die neun großen japanischen Flugzeugträger eröffneten die Schlacht mit einer Welle von 64 Flugzeugen, der knapp darauf zwei weitere mit 28 bzw. 47 Maschinen folgten. Noch während sich diese riesige Streitmacht den amerikanischen Schiffen näherte, ließ Ozawa über 100 weitere Bomber und Torpedoflugzeuge folgen. Diese letzte Welle flog aber mitten in jenes Verderben, in dem die vorangegangenen Einheiten bereits fast aufgerieben worden waren. Denn die amerikanischen Jagdstaffeln - darunter McCampbells Gruppe - waren durch das moderne Radar der US-Flotte rechtzeitig gewarnt worden, aufgestiegen und hatten die japanischen Geschwader in der Luft zerrissen. Ozawa verlor binnen einer Stunde 218 Maschinen und Piloten und war dem amerikanischen Gegenangriff nun fast hilflos ausgeliefert – ein großer Träger sank sofort, zwei weitere wurden schwerst beschädigt.
Für McCampbell - über der Philippinensee siebenmal erfolgreich - folgten weitere Einsätze in verschiedensten kleinen und größeren Gefechten, wobei der erstklassige Schütze weitere Luftsiege errang und schon bald mit 20 Abschussmarken das erfolgreichste Fliegeras der Navy war. Trotzdem gab es auf der anderen Seite Asse, die McCampbell zu fürchten hatte. In seinen Kriegserinnerungen gab er an, zweimal Luftkämpfe abgebrochen zu haben, als er erkannte, dem Gegner nicht gewachsen zu sein. Dies schürte natürlich sofort Vermutungen, McCampbell wäre hier z.B. gegen den großen Tetsuzo Iwamoto (94) angetreten, der oftmals Trägerstaffeln gegen Navy-Einheiten geführt hatte. 
Aufgrund seines Ranges und seiner großen Erfolge erhielt der Commander im Herbst 1944 Feindflugverbot, als es daran ging, die 1942 verlorengegangenen Philippinen zurückzuerobern. 
Am 24. Oktober, fast die gesamte Air Group 15 war im Einsatz, befand sich Commander McCampbell in der Leitzentrale der USS Essex, als am Radar überraschend feindliche Staffeln auftauchten. Zur Abwehr standen nur noch sieben Jagdmaschinen an Deck bereit - dieses kleine Häufchen führte McCampbell persönlich nach einem Alarmstart in ein ungleiches Gefecht, denn es galt zwanzig Torpedobomber mit vierzig „Zeros“ als Jagdschutz abzufangen, bevor diese auf die US-Flotte trafen. Und McCampbell wuchs über sich hinaus - neun bestätigte und zwei unbestätigte Luftsiege binnen einer halben Stunde und die Verleihung der Congressional Medal of Honor durch Präsident Roosevelt waren die phantastische Ausbeute dieses Tages. Der japanische Verband brach in Panik auseinander und kehrte um. 
Diese neun Abschüsse in nur einem Einsatz wurden nie mehr überboten und stellen bis heute den diesbezüglichen Rekord der fliegenden US-Streitkräfte dar. McCampbells Flügelmann Roy Rushing bewies mit sechs Treffern ebenfalls große Qualitäten und beendete den Krieg mit insgesamt 13 Luftsiegen.
Nun Vorzeigeheld der Navy, war David McCampbell bei Kriegsende - nach letzten genehmigten Einsätzen über den Philippinen, Formosa und Iwo Jima - mit 34 Luft- und 21 Bodensiegen dritterfolgreichster US-Pilot des Krieges. Neben den bereits erwähnten Orden trug er das Navy Cross, drei Distinguished Flying Cross, den Legion of Merit sowie mehrere Air Medals. 1946 mit der Führung des Geleit-Flugzeugträgers USS Bonhomme Richard beauftragt, wurde McCampbell später Stabschef der Navy Carrier Air Groups und Anfang der Fünfzigerjahre Marineattaché in Argentinien. 1962 bereits Vizestabschef der Fliegenden Verbände der US-Atlantikflotte, trat der bescheidene Veteran - seltsamerweise nicht in einen Admiralsrang erhoben - nach zwei weiteren Dienstjahren in den Ruhestand. 
1996 verstarb David McCampbell im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Florida. Unmittelbar darauf ehrte die US Navy ihren großen Helden mit dem Lenkwaffenzerstörer USS McCampbell.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at