Hasso von Manteuffel
General der Panzertruppe
 
Steckbrief
 
 
Ü Bayrisches Militärverdienstkreuz 3. Klasse
Ü Österreichisches Militärverdienstkreuz 4. Klasse
Ü Panzerkampfabzeichen in Silber 2. Stufe
Ü Viermalige Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Ärmelband "Afrika"
Ü Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
Ü Verwundetenabzeichen in Silber
 
Ü Ritterkreuz    31.12.1941
Ü Eichenlaub  (332) 23.11.1943
Ü
Schwerter
(050) 22.02.1944
Ü Brillanten  (024) 18.02.1945
 * 14.01.1897 in Potsdam/Brandenburg V 24.09.1978 in Reith/Österreich
 
   
Biographie
 
Während des Ersten Weltkrieges im Husarenregiment 3 zum Einsatz gekommen und 1916 vom Fähnrich zum Leutnant befördert, trug Hasso von Manteuffel bei Kriegsende beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Später kämpfte der aus einer alten Soldatenfamilie stammende Offizier – im 19. Jhd. hatte es Edwin von Manteuffel sogar zum preußischen GFM gebracht - wie viele Veteranen in einem Freikorps. In den Dreißigerjahren wurde der Rittmeister ein bekannter und erfolgreicher Sportreiter.
In der Reichswehr und Wehrmacht diente der Brandenburger im Reiterregiment 17, als Kommandeur des Kradschützenbataillons der 2. Panzerdivision sowie 1936 als Taktiklehrer an der Panzertruppenschule Berlin-Wünsdorf. Zwei Jahre darauf bereits Major im Stab des Inspekteurs der Panzertruppe, fungierte von Manteuffel hier als viel beachteter Referent für die KfZ-Motorisierung des Heeres. Bei Kriegsausbruch war Oberstleutnant von Manteuffel Lehrgangsleiter an der Panzertruppenschule II in Krampnitz bei Potsdam.
Erst kurz vor Beginn des Russlandfeldzuges übernahm er das II. Bataillon/Schützenregiment 7 der berühmten 7. Panzerdivision. Mit seinen Männern bei Smolensk und Wjasma erfolgreich, übernahm Oberstleutnant von Manteuffel am 18. August 1941 das Schützenregiment 6 der Division und nahm an den harten Winterkämpfen bei Rshew und Klin teil. Bereits früh fiel er durch persönlichen Mut, Kaltblütigkeit und eiserne Entschlusskraft in brenzligen Situationen auf. So besetzte der Oberst (01.10.41) mit einer Kampfgruppe eine strategisch wichtige Brücke über den Wolga-Moskwa-Kanal. Da diese jedoch der Schlüssel zum Haupt-Elektrizitätswerk Moskaus war, befahl Stalin persönlich die Stellung “mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf die Verluste” wieder einzunehmen.
Für die Eroberung der Brücke mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet, kämpfte sich die "Kampfgruppe Manteuffel" Ende November 1941 bis 50 Kilometer an den Stadtrand von Moskau heran, ehe die Division den Rückzug antreten musste - das angesprochene E-Werk konnte vorher noch gesprengt werden.
Als der verwegene Truppenführer im Frühjahr 1942 entgegen eines Befehls die ihm zugeteilten Stellungen verließ, um eine fliehende russische Brigade zu verfolgen, drohte ihm sein Vorgesetzter - der später ebenfalls mit den Brillanten dekorierte General Model - mit dem Kriegsgericht. Da von Manteuffel die Brigade erfolgreich vernichtet hatte, kam es allerdings zu keiner Anklage. Trotz dieses Vorfalles verstanden sich Model und von Manteuffel später erstaunlich gut, so etwa als sie 1944/45 an der Westfront erneut zusammentrafen.
Ab Juli 1942 führte Oberst Hasso von Manteuffel die Schützenbrigade der "Gespensterdivision".
Nach weiteren Einsätzen im Mittelabschnitt wurde von Manteuffel im Winter 1942 überraschend von der Ostfront ins klimatische Gegenstück Tunesien versetzt und mit der Führung einer nach ihm benannten motorisierten Division beauftragt, am 1. Mai 1943 wurde er nachträglich zum Generalmajor befördert.
Nach schweren Gefechten im Tuniskessel (LXXXX. Korps unter Nehring) aufgrund einer ernsten Erkrankung in die Heimat rückversetzt, übernahm von Manteuffel im August 1943 die 7. Panzerdivision von Eichenlaubträger Generalmajor von Funck. In dieser Division, in der er so lange gedient hatte, war er äußerst populär und geschätzt. Bei Schitomir zeichneten sich seine Panzer, besonders das Panzerregiment 25 unter Oberst Adelbert Schulz, in Angriff und Verteidigung aus. Für die erfolgreichen Flankenangriffe und Nachtgefechte in dieser Region erhielt von Manteuffel das 332. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen und wurde kurz zuvor erstmals im Wehrmachtsbericht genannt. Während der Panzerschlacht von Korosten vernichteten seine Panzerverbände unmittelbar darauf erneut mehrere Feindbrigaden. Hierbei griff der Generalmajor zeitweise selbst als Panzerkommandant in die Gefechte ein.
Nachdem von Manteuffel die Division an seinen besten Regimentskommandeur und Brillantenträger Oberst Schulz abgegeben hatte, übernahm er im Frühjahr 1944 die Panzergrenadierdivision "Großdeutschland", die sich unter dem bekannten Eichenlaubträger Generalmajor Hoernlein ausgezeichnet hatte. 
Im Februar 1944 erhielt Hasso von Manteuffel die Beförderung zum Generalleutnant und, nachträglich für seine Verdienste als Kommandeur der 7. PD, die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub. Der ausgezeichnete Panzeroffizier war der erst siebente Divisionskommandeur, der derart hoch dekoriert wurde.
Mit seiner neuen, voll motorisierten, "GD" wurde er in den kommenden Monaten in schwere Gefechte an der Ostfront (Korsun, Besserabien, Pruth, Jassy) verwickelt, konnte jedoch mehrmals russische Großangriffe vereiteln - im Mai 1944 wurde in einer der größten Panzerschlachten des Ostfeldzuges eine Offensive gegen die wertvollen Ölfelder in Rumänien abgewehrt.
Im Sommer konnte von Manteuffel mit seiner Division trotz einer vielfachen feindlichen Übermacht das eingekesselte Wilna (Nordfront) freikämpfen und dem späteren Schwerterträger Stahel mit seiner Kampfgruppe den Rückzug ermöglichen. Obwohl er nie einen Generalstabskurs an der Kriegsakademie besucht hatte, erhielt General der Panzertruppe (01.09.44) von Manteuffel im September 1944 die Ernennung zum Oberbefehlshaber der 5. Panzerarmee. Somit kommandierte er den einzigen Heeres-Panzergroßverband an der Westfront. 
Sein Nachfolger an der Spitze der "Großdeutschland" wurde der erfahrene Oberst Karl Lorenz, auf von Manteuffels Vorschlag bereits mit dem Eichenlaub beliehen. Insgesamt untermauerten 56 Ritterkreuzträger den Elite-Status der Division.
Unter denkbar schwierigen Umständen in punkto Nachschub und Versorgung bereitete von Manteuffel seine Armee unter strenger Geheimhaltung auf einen neuen Offensivschlag vor - am 16. Dezember 1944 rollten sieben seiner Divisionen zusammen mit Verbänden der Waffen-SS in den Wäldern der Ardennen zum alles- entscheidenden Angriff gegen die 1. US-Armee an. Hauptziel der Offensive war die Spaltung der gegnerischen Truppen sowie die Wiedereinnahme von Antwerpen. In diesem Fall wären drei alliierte Armeen - die 1. kanadische, 2. britische und 9. amerikanische - von der südlich der Ardennen operierenden 12. US-Heeresgruppe abgeschnitten und praktisch eingekesselt worden.
Obwohl seine Panzerspitzen den Gegner überrumpeln und über 100 Kilometer weit vorstoßen konnten, endete diese letzte deutsche Offensive im Westen als operativer Fehlschlag. Die drückende Überlegenheit der Alliierten, fehlendes Glück und zu wenig Treibstoffvorrat zwang die 5. Panzerarmee Anfang Januar wieder zum Rückzug. Trotz exzellenter Angriffe des berüchtigten US-Generals Patton gelang es von Manteuffel jedoch, den Großteil seiner Truppen rechtzeitig zurückzunehmen.
Selbst wenn die Einnahme von Antwerpen und die Einkesselung der drei gegnerischen Armeen gelungen wäre, wären die deutschen Truppen doch wohl kaum in der Lage gewesen, den Umklammerungsring aufrecht zu erhalten.
Für die anfänglichen Erfolge in Belgien und die langjährigen Verdienste als Frontgeneral erhielt General von Manteuffel am 18. Februar 1945 die 24. Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.
Im März 1945 als Nachfolger von Eichenlaubträger Generaloberst Raus noch zum Oberbefehlshaber der 3. Panzerarmee ernannt, konnte von Manteuffel der vorpreschenden Rote Armee in Pommern nur noch hinhaltenden Widerstand bieten. Als die Heeresgruppe Weichsel (Heinrici) nach anfänglichen Abwehrerfolgen überrannt wurde und die Rote Armee Berlin einkesselte, hatte von Manteuffel keine Möglichkeit mehr, den Eingeschlossenen auf irgendeine Weise zu Hilfe zu kommen. Seine Truppe war ausgebrannt, nur noch wenige Panzer einsatzbereit und der Treibstoffvorrat zu Ende. General von Manteuffel konnte trotz der schwierigen Lage seine 3. Panzerarmee nördlich von Berlin zurückziehen und die Elbe überschreiten.
Als Generaloberst Heinrici, Träger der Schwerter zum Ritterkreuz, nach Streitigkeiten mit dem OKW als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel abgesetzt wurde, erhielt General von Manteuffel den Befehl seine Nachfolge anzutreten. Da der Brillantenträger aber mit Heinrici derselben Meinung war, nämlich das weitere Kampfhandlungen um Berlin sinnlos wären, lehnte er ab. In diesen schwierigen Tagen bewies General von Manteuffel stahlharte Courage und ebenso eiserne Loyalität gegenüber Generaloberst Heinrici - als GFM Keitel vom OKW mit der Verhaftung des Heeresgruppen-Oberbefehlshabers drohte, ließ von Manteuffel diesen von drei bewaffneten Offizieren seines Stabes bewachen. Notfalls hätte er seine Solidarität mit Waffengewalt unterstrichen.
Durch äußerst kluge Verhandlungen mit britischen Generälen erreichte General von Manteuffel im Mai deren Zustimmung, mit seinen 300.000 Soldaten in britische, und nicht in russische, Gefangenschaft gehen zu dürfen. 1947 erfolgte die Entlassung.
Nach dem Krieg war General a.D. von Manteuffel aktiv in der Politik tätig, von 1953 bis 1957 als Mitglied des deutschen Bundestages (Verteidigungsberater FDP). 1959 wurde er überraschenderweise von einem Schwurgericht des Totschlages angeklagt, Grund für die späte Anklage war ein von ihm gefälltes Todesurteil. Manteuffel hatte im Januar 1944 bei Schepetowka einen Soldaten, der während seiner nächtlichen Wache die Gefangennahme zweier Kameraden beobachtet aber diese weder verhindert noch gemeldet hatte, wegen Feigheit vor dem Feind vor ein Kriegsgericht gestellt, verurteilt und erschießen lassen. Trotz der kriegsrechtlich korrekten Entscheidung wurde General der Panzertruppe a.D. von Manteuffel zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach bereits zwei Monaten erfolgte auf Fürsprache von Bundespräsident Heuss die Freilassung. 
Später wurden dem exzellenten Panzeroffizier mehrere unerwartete Ehrungen durch das amerikanische Militär zu- teil. So wurde er 1968 zu einem Besuch an die Offiziersakademie West Point eingeladen. Ferner besuchte er auf Einladung des US-Generalstabschefs General Westmooreland das Pentagon sowie auf Wunsch seines ehemaligen Gegners und damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower das Weiße Haus. Ende der Sechzigerjahre fungierte von Manteuffel des weiteren als deutscher militärischer Berater für US-Kriegsfilme.
 
Hasso von Manteuffel ist 1978 während einer Urlaubsreise in Österreich verstorben und wurde in Deutschland bestattet. Die Londoner Times ehrte den einstigen Kriegsgegner mit einem hervorragenden Nachruf.

Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, ritterkreuz.at