Group Captain Adolph "Sailor" Malan
Der kämpfende Gentleman
Steckbrief
 
 US ARMY AIR FORCE  27 Abschüsse
 
   
Biographie
 
Wie viele spätere Asse der Royal Air Force 1910 in Südafrika geboren und aufgewachsen, diente Malan in jungen Jahren in der britischen Handelsmarine, ehe er als Offiziersanwärter den Uniformrock seiner Majestät anzog und zum Jagdflieger ausgebildet wurde.
Ab 1936 in der No. 74 Squadron in England eingesetzt, hatte Malan bei Kriegsausbruch bereits das Kommando über diese Staffel übernommen. Aufgrund seiner seemännischen Vergangenheit erhielt er von seinen Freunden schnell den Spitznamen „Sailor“ (Seemann).
Während der Schlacht um Frankreich als Reserve in England verblieben, kam die Staffel erst im Mai 1940 als Deckungsgruppe während der Evakuierung von Dünkirchen zum Einsatz, wobei Malan zu jenen Piloten gehörte, die durch verblüffende Ersterfolge am Ruhm der legendären Spitfire (660 km/h, bis zu sechs Maschinenkanonen) mitschrieben. Bereits während seines ersten Luftkampfes über zwei Gegner erfolgreich, blieben zwei weitere Erfolge am nächsten Tag leider unbestätigt. Nichtsdestotrotz erhielt „Sailor“ bereits das Distinguished Flying Cross verliehen und wurde zum Flight Lieutenant befördert.
Unmittelbar nach dem Abzug der letzten geschlagenen Truppen aus Frankreich eröffnete die deutsche Luftwaffe mit pausenlosen Großangriffen die Luftschlacht um England. Sobald diese gewonnen wäre, und nur wenige zweifelten anfangs an einem deutschen Sieg, würde die Wehrmacht an der Südküste eine Invasion durchführen. Doch es kam anders.
Während monatelang tausende deutsche Bomber, Jäger, „Stukas“ und Zerstörer pausenlos Angriffe gegen Flugplätze, Fabriken, Häfen, Radarstationen und letztendlich auch Städte flogen, hielten die Jagdflieger der Royal Air Force dem übermächtigen Gegner stand.  Die deutschen Geschwader erlitten in den langen Gefechten schwere Verluste, die sich noch Jahre später schmerzhaft bemerkbar machen sollten.
Ein inzwischen zum Squadron Leader aufgestiegener Adolph Malan hatte sich hierbei mit seinen Piloten als ein Stützpfeiler der Verteidigung erwiesen, selbst 10 anerkannte Luftsiege errungen und seine Staffel zu insgesamt 84 Abschüssen geführt. Hierfür im Juni mit einem weiteren DFC und im Dezember mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet, wurde Malan spätestens mit seinen „Zehn Geboten“ innerhalb der RAF zur Berühmtheit. Seine zehn Punkte umfassende Liste von Grund- und Überlebensregeln im Luftkampf war so treffend, dass sie schon bald von jedem Jagdflieger der Royal Air Force auswendig gelernt wurde und sogar fix ins Ausbildungsprogramm des Fighter Command aufgenommen wurde:
Das Feuer erst eröffnen, wenn du wirklich nahe am Gegner bist. Sich immer wieder umdrehen und sehen was sich hinter einem tut. Je höher du bist, desto besser ist deine Angriffsposition. Disziplin und Teamwork sind wichtiger als persönliche Luftsiege. Fliege im Luftkampf nie länger als 30 Sekunden auf gleicher Höhe – das waren einige von Sailors Geboten. Wer sie befolgte lebte länger und war obendrein auch erfolgreich.
Einer seiner weiteren markanten Lehrsätze für junge Jagdflieger war „eure Spitfire ist nichts weiter als eine Waffe mit einem Motor um sie in der Luft zu halten. Konzentriert euch auf den Luftkampf und vergesst alles andere!“ Es ist wohl unnötig, noch auf Malans große Popularität unter seinen Piloten hinzuweisen.
Aufgrund seiner Qualifikationen führte Squadron Leader Malan während der Luftschlacht um England bereits große Jägerverbände, teilweise unter dem direkten Kommando des großen Douglas Bader (20).Während so eines Einsatzes hatte er sich einmal mit keinem Geringeren als Major Werner Mölders (115) – damals eines der deutschen Top-Asse – gemessen und seinen Gegner durch eine Geschossgarbe verwundet. Mölders konnte seinen Verfolger aber schließlich abschütteln und gedeckt durch seine Staffel in Frankreich notlanden.
Im Frühjahr 1941 zum Wing Commander befördert, übernahm Malan nun das mit Spitfires ausgerüstete Biggin Hill-Geschwader und führte dieses in Gegenoffensiven über Frankreich und Holland an. Als der tapfere Angreifer und erstklassige Verbandsführer im Sommer bereits seinen 27. Luftkampf für sich entschied, erhielt er durch den britischen König einen zweiten DSO, die zweithöchste Tapferkeitsauszeichnung, überreicht. 15 weitere Abschüsse waren bis dahin unbestätigt geblieben, 11 Gegner zum Teil schwer beschädigt entkommen. Diese ungewöhnlich hohen Zahlen sind zum Teil auf die strikte Befolgung seiner eigenen Regeln zurückzuführen, die den Auftrag und das Teamwork vor persönliche Abschusserfolge stellten. Wenn ein Luftsieg nicht sofort bestätigt werden konnte, legte der Geschwaderführer keinen Wert auf langwierige Nachforschungen, auch wenn diese in vielen Fällen zur Bestätigung geführt hätten.
1942 nach einer Lehrtätigkeit in den USA zum Kommandeur der Central Gunnery School ernannt, kehrte Wing Commander Malan im Januar 1943 in den Kampfeinsatz zurück und befehligte erneut das Biggin-Hill-Geschwader. Dieses in Südengland stationierte Geschwader bestand aus einigen der besten britischen Jagdstaffeln des Krieges und brachte mehrere herausragende junge Fliegerasse hervor.
1944 bereits Group Captain, wechselte Malan an die Spitze der 145th Fighter Wing und führte seine Staffeln in Begleitschutz- und Jagdeinsätzen über Westeuropa an. Aufgrund seines Ranges jedoch nur noch selten selbst in Luftkämpfe verwickelt, kamen keine weiteren anerkannten Luftkampferfolge mehr hinzu. Neben den hohen Auszeichnungen seines Landes trug Adolph Malan, bis Kriegsende nur von wenigen jungen Jagdfliegerassen überholt, zudem den Legion d´ Honneur (höchste französische Auszeichnung), das französische und das belgische Croix de Guerre, das tschechische Tapferkeitskreuz sowie das amerikanische DFC.
Nach dem Krieg waren sich alle britischen Jagdflieger-Asse und sämtliche Luftwaffen-Experten darüber einig, dass Adolph „Sailor“ Malan die besten Eigenschaften eines Fliegers, Taktikers, Kommandeurs und Mentors in sich vereint hatte.1946 aus der Royal Air Force ausgeschieden, kehrte dieser großartige Mann nach Südafrika zurück, erfüllte sich mit einer riesigen Schafzucht seinen Kindheitstraum und machte sich mit seinem Engagement gegen die Rassentrennung der Regierung alle Ehre.
Bereits 1963 verstarb „Sailor“ nach längerem Kampf an den Folgen der heimtückischen Parkinson-Krankheit im Alter von nur 53 Jahren.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at