Major d.R. Gerhard Konopka
Inbegriff des Frontkämpfers
 
Steckbrief
 
Ü Nahkampfspange in Bronze nicht verliehen
Ü Nahkampfspange in Silber nicht verliehen
Ü Nahkampfspange in Gold 25.06.1943
Ü Ritterkreuz 29.08.1943
     
Ü zuletzt 50 Nahkampftage
Ü Infanteriesturmabzeichen in Silber
Ü Deutsches Kreuz in Gold
Ü Vier Panzervernichtungsabzeichen für Einzelkämpfer
Ü Verwundetenabzeichen in Gold
* 27.03.1911 in Tirschtiefel/Brandenburg V 29.01.1997 in Darmstadt/Hessen
 
   
Biographie
 
Am 27. März 1911 in der kleinen brandenburgischen Gemeinde Tirschtiefel geboren und in seiner Jugend zum Forstgehilfen ausgebildet, trat Gerhard Konopka im Alter von 23 Jahren in den Reichsarbeitsdienst ein. Hier stieg der fleißige und zielstrebige junge Mann zum Oberarbeitsführer (Offiziersrang) auf und wurde 1940, 29jährig, als Offiziersanwärter zum Heer einberufen.
Nach seiner Ausbildung im traditionsreichen Infanterieregiment 8 als Leutnant d.R. Zugführer, nahm Konopka an den erfolgreichen Blitzkriege gegen Polen, Belgien und Frankreich teil. Für die Führung seiner Männer mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse beliehen, erlebte er 1941 die Umstellung seiner 3. Infanterie- zur motorisierten Infanteriedivision.
Ab Sommer 1941 führte Leutnant Konopka die Schützenpanzer seines Zuges in Gefechten bei Luga, Demjansk, Dünaburg und Smolensk, ehe er als Träger des EK.I im Herbst Schlachten bei Roslawl und bald vor Moskau erlebte. Nach Rückschlägen, einer überstandenen Verwundung sowie erneuter Bewährung im Rshew-Bogen wurde die Tapferkeit und das Führungstalent des jungen Offiziers durch die Versetzung zu einer Elite-Einheit belohnt. Im Frühjahr 1942 übernahm Leutnant Konopka das Kommando über den Stabs-Pionierzug des Infanterieregiments „Großdeutschland“.
Während den wochenlangen Gefechten im Rshew-Brückenkopf westlich von Moskau zweimal persönlich erfolgreich mit Tellerminen und Handgranaten gegen Panzer angetreten, führte Konopka seine Pioniere in Folge auch in den Offensiven gegen Woronesch mit Tapferkeit und Übersicht. Zweimal war er nun bereits verwundet worden.
Als das Regiment als Stoßkeil der Heeresgruppe mit der Bildung eines Brückenkopfes über den Don beauftragt wurde, nahmen die Pioniere der „GD“ erneut ihren Platz in vorderster Front ein. Ausgerüstet mit Sturmbooten und gedeckt durch Artillerie und MG-Schützen, setzte der „Zug Konopka“ bei Radsorskaja über den Don und bildete im feindlichen Feuer einen Landekopf. Einen Gegenangriff des Feindes abwehrend, konnten nachrückende Grenadiere und Panzerjäger die Stellung schließlich festigen. Im Dezember 1942 hierfür als Oberleutnant (01.09.42) mit dem Deutschen Kreuz in Gold beliehen, erlebte Gerhard Konopka die harten Winterschlachten bei Woronesch und nordwestlich des Stalingrad-Kessels als Chef der 5. Kompanie, ehe er nach seiner vierten Verwundung eine verdiente Ruhepause erhielt.
Aufgrund seiner bereits vier Panzervernichtungsabzeichen (01.09.42, 22.09.42, 23.09.42, 12.10.42) sowie der großen Erfahrung in der Führung von Sturmpionieren und Nahkampfgruppen als Vortragender für Panzervernichtungskurse an Infanterieschulen oder bei frontnahen Lehrgängen eingesetzt, kehrte der Frontveteran erst im Sommer 1943 nach Russland zurück. Noch als Oberleutnant mit der Übernahme des II. Bataillons seines Regiments beauftragt, erlebte Konopka die heftigen Schlachten um Orel, in deren Verlauf er an der Spitze seiner Kompanien die so genannten „Gelben Höhen“ bei Alissowa erstürmen konnte und hierbei starke Gräben und Bunker der Sowjets außer Gefecht setzte. Als am nächsten Tag im verlustreichen Nahkampf auch die neue HKL des Gegners eingedrückt werden konnte, wurde der hierbei leider schwer verwundete Bataillonsführer zum Ritterkreuz eingereicht und im Lazarett ausgezeichnet. Bis Kriegsende erhielten insgesamt 56 Soldaten der Elite-Division das Ritterkreuz.
Etwas in den Hintergrund geraten, war die Tatsache, dass Oberleutnant d.R. Konopka nur wenig zuvor als erster Soldat des Heeres die Verleihungskriterien zur Nahkampfspange in Gold erreicht hatte und am 25. Juni 1943 ausgezeichnet worden war. Da die Öffentlichkeit, ganz anders als beim Ritterkreuz, über dieses neue Ehrenzeichen noch weitgehend uninformiert war und auch die Kriegsberichterstatter nur wenig Augenmerk darauf richteten, wurde erst im Jahr 2003, durch den erhalten gebliebenen Wehrpass bekannt, dass er dermaßen früh bereits 50 Nahkampftage erreicht hatte.
Nunmehr bereits zum siebentenmal verwundet worden, kehrte ein zum Hauptmann (01.11.43) beförderter Konopka zu seinem Bataillon zurück, um im Herbst 1943 gleich erneut verwundet zu werden. Diesmal waren die Splitterverletzungen in beiden Oberschenkeln jedoch so gravierend, dass der tapfere Soldat nach dieser neunten Verwundung nicht wieder frontfähig geschrieben werden konnte.
Tief enttäuscht, fand der erfahrene Offizier an einer Infanterieschule eine neue Aufgabe. Inzwischen war seine Goldene Nahkampfspange Garant für höchste Aufmerksamkeit während seinen Vorträgen über Sturmpionier- und Panzervernichtungs-Taktiken.
Hatten die ungenügenden Mittel der ersten Kriegsjahre (Handgranaten, Minen, Brandflaschen) hohe Opfer und zum verbreiteten „Panzerschreck“ unter der Infanterie geführt, konnte die Truppe 1943/44 endlich auf geeignetere Waffen bauen. Panzerbüchsen mit panzerbrechender Munition, Flammenwerfer, Magnetminen und natürlich die effektiven Panzerfäuste machten auch einen Einzelkämpfer mit dem entsprechenden Mut einem T-34 gefährlich. Mit dem Panzervernichtungsabzeichen war schon 1942 eine spezielle Auszeichnung für diesen Wagemut gestiftet worden. Schätzungen zur Folge wurden bis Kriegsende rund 14.000 dieser Abzeichen verliehen.

Schon vorher immer wieder um eine Rückversetzung an die Front bemüht, schaffte Gerhard Konopka dies erst im März 1945 und erhielt als Major d.R. (01.04.44) den Befehl, das Grenadierregiment 1 der hastig aufgestellten so genannten Reichsarbeits-Infanteriedivision „Friedrich-Ludwig Jahn“ zu übernehmen. Dieser kaum über Brigadestärke kommende Verband bestand aus den Resten der ehemaligen 251. Infanteriedivision sowie Volkssturmeinheiten und war kaum für den Einsatz gegen erfahrene russische Truppen geeignet. In einem OKW-Bericht war von „sehr schlechtem Ausbildungsstand der Truppe, fast keinen Nachrichteneinheiten, wenig verfügbaren Transport-LKWs sowie Lücken bei teils grundlegender Ausrüstung“ die Rede. Auch mit der Kampfmoral stand es schlecht.
An der Spitze seiner zusammengewürfelten Einheit kämpfte Konopka unter dem Divisionskommando des erfahrenen Eichenlaubträgers Oberst Weller mit dem Mut der Verzweiflung noch vor Berlin und bei Entsatzversuchen für den Kessel von Halbe, ehe er sein Regiment durch Übersicht und Glück über die Elbe führen konnte und die amerikanischen Linien erreichte. Sein letzter Kommandeur Franz Weller sollte später erster Chef der neuen Infanterieschule der Bundeswehr werden. Konopka war bis zu seiner Pensionierung als selbständiger Kaufmann tätig bzw. stand später in einem großen Betrieb der Lehrlingsausbildung vor. Er verstarb am 29. Januar 1997 im hessischen Darmstadt.

Quelle: „Ritterkreuzträger mit Nahkampfspange in Gold“ von Florian Berger, ritterkreuz.at