Generalfeldmarschall Günther von Kluge
Der Berufsgeneral aus Überzeugung
 
Steckbrief
 
 
Ü Hohenzollernorden mit Schwertern
Ü Bayrisches Militärverdienstkreuz 2. Klasse
Ü Österreichisches Militärverdienstkreuz in Silber
Ü Deutsches Fliegerabzeichen 1916
Ü Viermalige Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Verwundetenabzeichen in Bronze 
 
Ü Ritterkreuz    30.09.1939
Ü Eichenlaub  (181) 18.01.1943
Ü
Schwerter
(040)  29.10.1943
* 30.10.1882 in Posen/Westpreußen V 19.08.1944 bei Metz
 
   
Biographie
 
Für den Sohn eines adeligen, preußischen Generalleutnants war es selbstverständlich, ebenfalls die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Nach dem Besuch der Kriegsakademie und der bestandenen Generalstabsprüfung wurde Oberleutnant von Kluge 1913 mit den besten Zeugnissen in den Generalstab des Heeres nach Berlin versetzt.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges bereits Hauptmann i.G. im XXI. Korps, kämpfte er im Osten, in den Karpaten, in Flandern und am Isonzo, ehe er 1917/18 für seinen Dienst im Generalstab der Südarmee sowie im Alpenkorps hoch dekoriert wurde. Kurz vor Kriegsende wurde Hauptmann von Kluge als Frontoffizier in der 236. Infanteriedivision noch schwer verwundet. In der Reichswehr machte von Kluge eine sehr steile Karriere, die ihm schnell vom Oberst (1930, Artillerieregiment 2) über den Generalmajor (1933, Inspekteur der Nachrichtentruppe) und Generalleutnant (1934, 6. Infanteriedivision) bis hin zum General der Artillerie (1936, Armeegruppe VI) führte.
Bei Kriegsbeginn kommandierte General von Kluge die neugebildete 4. Armee in der "Heeresgruppe von Bock", mit der er 1939 am Blitzkrieg gegen Polen teilnahm. Die ihm unterstellten 11 Infanterie- und 2 Panzerdivisionen stießen gegen den Norden von Polen vor, eroberten die Halbinsel Hela und besetzten Danzig. In Gefechten mit der polnischen Armee "Pommerellen" konnten große Erfolge erzielt werden. Teile der 4. Armee nahmen später noch an der Kesselschlacht von Warschau teil. Für seine Verdienste während der ersten Kriegswochen erhielt der zum Generaloberst beförderte von Kluge als einer der ersten Truppenführer das Ritterkreuz verliehen. Bis zum Frühjahr 1940 verlegte er mit seiner Armee an die Westfront, um am "Fall Gelb" teilzunehmen. Von Kluges Bruder Wolfgang erhielt das Ritterkreuz übrigens 1943 als Kommandeur der 292. Infanteriedivision in Russland.
Unter dem Oberkommando von Generaloberst von Rundstedt trat von Kluges 4. Armee aus dem Großraum Aachen gegen die belgischen Grenzbefestigungen bei Maastricht an. Nachdem Fallschirmjäger das gefährliche Fort Eben Emael ausgeschaltet hatten, stießen seine Divisionen zügig durch den Süden Belgiens vor. Danach kämpften sie zusammen mit dem XV. Panzerkorps unter dem späteren Schwerterträger Hoth in Nordfrankreich, nahmen an den Schlachten an der Maas und der Sampre teil und erreichten Ende Mai die Atlantikküste bei Abbeville. In den Offensivkämpfen wurden mehrere alliierte Korps aufgerieben oder gefangengesetzt! Anfang Juni 1940 nahm die 4. Armee entlang der äußersten rechten Flanke an der zweiten Phase des Westfeldzuges teil. Durch Panzer und Flugzeuge massiv unterstützt, stießen von Kluges Verbände gegen die 3. französische Heeresgruppe vor, eroberten Amiens und erreichten schließlich die Seine. Nach der Besetzung der wichtigen Kanalhäfen Dieppe und Le Havre stießen Teile der Armee bis auf die Halbinsel Cherbourg vor, am 19.06. konnte eine Division der 4. Armee den großen Kriegshafen von Brest in Besitz nehmen. Für die überragenden Leistungen seiner Person und die feldzugsentscheidenden Erfolge der ihm unterstellten Truppen wurde Günther von Kluge am 19. Juli 1940, u.a. zusammen mit den späteren Schwerterträgern Kesselring und von Rundstedt, zum Generalfeldmarschall befördert.
Da im Siegesrausch noch weitere Truppenführer in den höchsten Dienstrang erhoben worden waren, gab es jedoch nicht genügend dementsprechende Posten und von Kluge blieb in Folge einstweilen weiterhin nur Armeebefehlshaber.
Im Juni 1941 gehörte die 4. Armee erneut zur Angriffsspitze einer Heeresgruppe. Unter dem Oberbefehl von GFM von Bock nahmen von Kluges Divisionen an der ersten Phase des Russlandfeldzuges teil. Im Zentrum der Front kämpfend, verbuchte die Armee in den Kesselschlachten von Bialystok und Baranovici große Erfolge.
Nach schnellem Vormarsch entlang der Linie Minsk - Moskau nahmen die Divisionen dann an den schweren Winterschlachten westlich der russischen Hauptstadt teil. Nachdem GFM Bock von einem wütenden Hitler für die Winterniederlage verantwortlich gemacht und abgesetzt worden war, wurde GFM von Kluge am 19. Dezember 1941 neuer Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte. Chef seines Stabes war der erfahrene Generalmajor Günther Blumentritt, bei Kriegsende Eichenlaubträger und Armeeoberbefehlshaber.
Die Winterniederlage vor Moskau kostete der Wehrmacht etwa 300.000 Mann an Toten und Verwundeten - doch fast schlimmer wog die Tatsache, dass ein über die Schlappe wütender Hitler außer von Bock auch noch GFM von Leeb, den altgedienten Panzer-Spezialisten Hoepner sowie 35 Korps- und Divisionskommandeure der Heeresgruppe Mitte ihres Postens enthob. Welche Streitmacht der Welt sollte einen solchen Eingriff in ihre Kommandostruktur heil überstehen?
Im Frühjahr 1942 musste von Kluge die Heeresgruppe Mitte nach schweren Verlusten auf den Wjasma-Rshew-Bogen zurückziehen. Der neue Chef seines Stabes war der erfahrene Generalmajor Otto Wöhler, welcher 1944 als Führer der 11. Armee das Eichenlaub erhalten sollte.
Nachdem GFM von Kluge den Mittelabschnitt im Sommer 1942 durch erfolgreiche Abwehrschlachten etwas stabilisiert hatte, trat die Rote Armee 1943 andauernd zu Gegenoffensiven an. Unter seinem Kommando konnte der spätere Brillantenträger General Model bei Rshew ein zweites Stalingrad verhindern. Im Januar 1943 hatte von Kluge für seine großen Defensiverfolge das 181. Eichenlaub zum Ritterkreuz erhalten.
Als der erfolgreiche Truppenführer zur Übergabe der Auszeichnung nach Deutschland flog, traf er in Berlin mit Heinz Guderian zusammen, jenem großen Panzergeneral, der nach der Winterniederlage 1941 vom Fronteinsatz zurückgezogen worden war und seitdem wichtige und weniger wichtige Stabsposten inne gehabt hatte.
Als von Kluge, nach Moskau einer der Initiatoren von Guderians Entlassung, die zufällige Begegnung für eine versöhnliche Geste nutzen wollte, diese jedoch durch Guderian roh zurückgewiesen wurde, eskalierte der alte Streit. Ein Wort gab das andere und letztendlich sprach einer eine Duellaufforderung auf – die beiden altgedienten Truppenführer wollten allen Ernstes die Waffen sprechen lassen.
Doch es war Krieg – beide Truppenführer äußerst wertvoll und so verbot ein davon unterrichteter Hitler diesen Unsinn sofort. Erst ein Jahr später besannen sich Guderian und von Kluge wieder und begruben den Streit.
Günther von Kluge kehrte im Frühjahr 1943 an die russische Front zurück und führte seine Truppen in harten Defensivschlachten.
Am 12. Oktober entging der Feldmarschall nur knapp dem Tod, als sein Dienstwagen auf einer Inspektionsfahrt im Gebiet von Minsk verunglückte. Mit schweren Verletzungen lag von Kluge mehrere Monate lang in einem deutschen Krankenhaus. Noch während dieser Zeit erhielt er für seine Leistungen an der Ostfront als zweiter von letztendlich neun (fünf bereits zum Zeitpunkt der Verleihung) Generalfeldmarschällen die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Sein Nachfolger als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte wurde der Pour-le-Mérite-Träger GFM Busch.
Eine recht zwielichtige Rolle spielte der Feldmarschall im Bereich des militärischen Widerstandes und des Attentates auf Hitler am 20. Juli 1944. Bereits im Jahre 1943 war von Kluge durch Mitglieder des Widerstandes angesprochen und um Hilfe gebeten worden. Obwohl er dieser Bitte nicht nachkam, behielt er sein Wissen über den militärischen Widerstand stets für sich. Auch prominente Offiziere wie GFM Rommel konnten von Kluge nicht für den Widerstand gewinnen. Zentrale Figur in den Gesprächen war sein langjähriger Stabschef und überzeugter Hitlergegner Oberst Henning von Tresckow gewesen, der nach dem Fehlschlag am 20.07.44 Selbstmord beging.
Von Kluges erstes Kommando nach dem Unfall war der Posten des Oberbefehlshabers West, den er am 02.07.44 antrat, Chef seines Stabes war hier erneut Generalmajor Blumentritt.
In seinen Befehlsbereich fiel die seit kurzen bestehende Invasionsfront, die Tag für Tag um Tausende alliierte Soldaten und riesige Materialmengen stärker wurde. Kurz darauf bekam der neue OB West die vielzitierte alliierte Luftüberlegenheit am eigenen Leib zu spüren, als sein Dienstwagen während einer frontnahen Inspektionsfahrt von britischen Jagdbombern angegriffen und schwer beschädigt wurde! Der GFM blieb unverletzt, der Fahrer und ein Begleitoffizier fanden jedoch den Tod.
Zur selben Zeit wurde GFM Rommel an der Invasionsfront bei einem Jagdbomberangriff schwer verwundet.
Als Oberst von Stauffenberg am 20. Juli seine Bombe zündete, war der Feldmarschall nicht eingeweiht. Obwohl er also nichts mit dem Putschversuch zu tun hatte, wurde er als verdächtige Person am 16. August aller Ämter enthoben. Wenige Tage zuvor hatte er noch einem Befehl Hitlers getrotzt und durch den eigenmächtigen Ausbruchsbefehl für den Kessel von Falaise einen Großteil der 7. Armee (Hausser) vor der sicheren Vernichtung gerettet. 
In den Wochen nach dem Putschversuch geriet Günther von Kluge immer mehr ins Blickfeld der Gestapo. Seine engen Verbindungen zu bereits überführten Widerstandsleuten machten ihn verdächtig. Die schwierige Lage, in der sich der Generalfeldmarschall nun befand, kann in der heutigen Zeit wohl kaum nachvollzogen werden. Obwohl gegen die politischen und militärischen Ziele Hitlers, stand er fest zu dem von ihm geleisteten Eid. Da er erkannte, dass man ihn über kurz oder lang verhaften und aus der Wehrmacht ausstoßen würde, zog Günther von Kluge die Konsequenzen. Am 19. August 1944 nahm der Generalfeldmarschall während einer Autofahrt in der Nähe von Metz eine Dosis Gift.
In seinem Abschiedsbrief hieß es (gekürzt):
"Ich kann den Vorwurf, das Schicksal im Westen durch falsche Maßnahmen besiegelt zu haben, nicht tragen. Ich ziehe hiermit die Konsequenzen und begebe mich dahin, wo schon Tausende meiner Kameraden sind. Den Tod habe ich nie gefürchtet...
...wir beide, Rommel und ich, und wohl alle Führer hier im Westen, die den Kampf mit den überlegenen Amerikanern und Briten kannten, sahen die jetzt eingetretene Kriegsentwicklung voraus. Wir sind nicht gehört worden! Ich weiß nicht, ob der überall bewährte Feldmarschall Model die Lage hier noch meistern kann."
Sein Nachfolger als Oberbefehlshaber West wurde GFM Gerd von Rundstedt. Günther von Kluges Sohn, seines Zeichens Oberstleutnant i.G. und Stabsoffizier in der 7. Armee, wurde unmittelbar darauf als Mitglied des Militärischen Widerstandes verhaftet. 

Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, ritterkreuz.at