Group Captain James „Johnnie“ Johnson
In 516 Feindflügen nur einmal von Geschossen getroffen
 
Steckbrief
 
ROYAL AIR FORCE  34 Abschüsse
 
   
Biographie
 
James Edgar Johnson wurde 1915 in England geboren und gehörte als Sportpilot 1938 zum Reservekorps der Royal Air Force – eine von ihm angestrebte Übernahme in den aktiven Dienst war im Laufe der Zeit aus Platzgründen dreimal abgelehnt worden.
Bei Kriegsbeginn als Sergeant einberufen und zur Jagdfliegerschulung beordert, erreichte Johnson – nach einer durch Krankheit bedingten (Schulterentzündung) Verzögerung – erst im Frühjahr 1941 die Fronttruppe. Als Pilot der No. 616 Squadron flog er seine ersten Fronteinsätze auf einer Supermarine Spitfire und erzielte bereits am 15. Januar 1941 über einen Bomber seinen ersten anteiligen (0,5) Luftsieg. Unter den Augen – und später sogar als Flügelmann - seines berühmten und erfahrenen Geschwaderkommandeurs, dem Fliegerass Douglas Bader (20), mauserte sich der junge Johnson schnell zum guten Schützen und verlässlichen Rottenführer, schoss im Juni eine und im Juli zwei Bf 109 ab und wurde im September 1941 zum Fliegerass. Daraufhin zum Offizier befördert, erhielt Johnson hierfür das DFC verliehen.
Neben Routineeinsätzen über dem Ärmelkanal, Frankreich und Belgien nahm „Johnnie“ Johnson u.a. auch an so wichtigen Einsätzen wie dem (fehlgeschlagenen) Landeunternehmen bei Dieppe teil. Hierbei erlitten die Briten jedoch hohe Verluste durch deutsche Jagdflieger. Johnson selbst erlebte hier die, wie er selbst sagte, heikelste Situation des ganzen Krieges, als er auf der Flucht vor einer verfolgenden Messerschmitt irrtümlich in die Schusslinie eines aus allen Rohren feuernden britischen Flak-Zerstörers flog und Blut und Wasser schwitzte, ehe er unbeschadet hochziehen konnte.
In all seinen Luftkämpfen glänzte James Johnson durch herausragende taktische Eigenschaften. Er holte das Letzte aus seiner Spitfire heraus, erzielte aus so gut wie jeder Fluglage Treffer und konnte sich bei Kriegsende rühmen, nur ein einziges Mal von feindlichen Geschossen getroffen worden zu sein – in letztendlich 516 Einsätzen.
Der deutsche Pilot, dem dies geglückt war, war wahrscheinlich niemand geringerer als Oberst Josef „Pips“ Priller – Geschwaderkommodore der berühmten „Abbeville-Boys“ (Jagdgeschwader 26), Sieger in 101 Luftgefechten und Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub und Schwertern. Für wahr ein großer Gegenspieler.
Bereits im Sommer 1942 wurde der 27jährige Johnson, bereits ein Ass mit sieben Siegen, zum Squadron Leader befördert und mit der Führung der No. 610 Squadron beauftragt. Diese führte er in über 200 Einsätzen an - freie Jagd über Frankreich, Abwehr von Angriffen über dem Ärmelkanal, Begleitschutz für mittlere Bomber über Europa, Jagdbomberangriffe in Nordfrankreich und strategische Aufklärung. Seltsamerweise konnte Johnson in diesen vielen Einsätzen nur einen weiteren Abschuss erzielen. Das Blatt wendete sich erst wieder, als der fähige Offizier im Februar 1943 das meist aus Kanadiern bestehende 127th Fighter Wing in Kenley übernahm. Diese Einheit konnte sich während den nächsten Monaten in der harten Rolle des Begleitschutzes für Bomber nach Frankreich und Deutschland bewähren – Johnson selbst schoss in sieben Monaten 14 Jagdmaschinen vom Typ Bf 109 und Fw 190 ab und wurde nach nun insgesamt 22 Luftsiegen als Wing Commander vom Kampfeinsatz zurückgezogen. Gleich zweimal mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet, wurde „Johnnie“ Johnson in den Stab des Fighter Command nach London versetzt, wo er weitere wertvolle Erfahrungen sammeln konnte.
Während dieses Stabsdienstes konnte er u.a. an der Verbesserung der Begleitschutztaktiken sowie an der jagdtaktischen Vorbereitung der Invasion in Frankreich mitarbeiten. Um bei letztgenannter Großoperation selbst mit dabei sein zu können, erreichte Wing Commander Johnson im März 1944 seine Rückversetzung zur Fronttruppe. Als Geschwaderkommodore der 144th Tactical Fighter Wing zog das Fliegerass in die Operation „Overlord“ – der lang erwarteten Invasion in der Normandie - und flog während des ersten Tages über den umkämpften Landezonen vier Einsätze.
Zu diesem Zeitpunkt war der ehemalige Reservist hinter dem berühmten Haudegen „Sailor“ Malan (27) das erfolgreichste noch im Einsatz stehende Fliegerass der Royal Air Force.
Zwischen Juni und September 1944 blieb Johnson mit seiner neuen Spitfire IX in 10 weiteren Luftgefechten Sieger (so am 23.08.44 zwei Fw 190) und wurde mit letztendlich 34 bestätigten, 3 unbestätigten Siegen sowie 13 beschädigten Gegnern (alles Jagdmaschinen) zum erfolgreichsten lebenden (Pattle war 1941 gefallen) Jagdflieger der Royal Air Force sowie der gesamten Westalliierten in Europa.
Im Herbst 1944 vom Kampfeinsatz zurückgezogen, war Wing Commander Johnson mit drei Distinguished Service Order und zwei Distinguished Flying Cross einer der höchst dekoriertesten Piloten der Streitkräfte geworden. Unerreicht geblieben sind seine 516 belegten Jagdeinsätze (manche britische Historiker sprechen übertriebenermaßen sogar von fast 1.000). Einen letzten Sondereinsatz leitete Johnson unmittelbar vor Kriegsende, als er eine britische Begleitschutzgruppe nach Berlin führte, um hier ein in Ostpreußen gestartetes russisches Bombergeschwader zu schützen.
Insgesamt wurde Johnson etwa 70mal in Luftkämpfe verwickelt – in 46 erzielte er Treffer.
Neben den bereits erwähnten hohen Auszeichnungen hatte der Geschwaderkommandeur inzwischen auch das amerikanische Distinguished Flying Cross, das französische und das belgische Croix de Guerre sowie den belgischen „Order of Leopold“ erhalten. Im März 1945 zum Group Captain befördert (1940 noch Unteroffizier) und zuletzt Kommandeur der 125th Fighter Wing, blieb „Johnnie“ Johnson nach Kriegsende in der Royal Air Force und kam hier während des Koreakrieges als britischer Luftwaffenberater in amerikanischen Stäben zum Einsatz. Für einige persönliche Jagdbombereinsätze mit dem amerikanischen Legion of Merit beliehen, kommandierte Johnson in den Fünfzigerjahren die 135th Tactical Fighter Wing in Westdeutschland, ehe er 1957 ein strategisches Kampfgeschwader in England übernahm.
Zum Air Commodore aufgestiegen, folgten hohe Stabspositionen wie das Kommando über die 3. Bombergruppe des taktischen Luftkommandos. 1963 erreichte James Edgar Johnson den Höhepunkt seiner steilen Karriere, als mit der Beförderung zum Air Vice Marshal das Oberkommando über alle NATO-Luftwaffenverbände im Mittleren Osten folgte.1966 trat der große Flieger in den wohlverdienten Ruhestand und verarbeitete seine Kriegserlebnisse in mehreren erfolgreichen Büchern. Ausserdem machte er sich durch seinen großen sozialen Einsatz einen Namen.
Noch 1988 erhielt er in Anerkennung seiner Leistungen in Krieg und Frieden mit dem Legion d` Honneur die höchste französische Auszeichnung verliehen.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at