Generalleutnant Adolf Galland
Bekanntester Jagdflieger des Krieges
 
Steckbrief
 
 
Ü Spanische Medalla de la Campana
Ü Spanische Medalla Militar
Ü Spanienkreuz mit Schwertern in Gold mit Brillanten
Ü Frontflugspange für Jäger in Gold mit Anhänger Einsatzzahl "400"
Ü Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten
Ü Siebenmalige Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Verwundetenabzeichen in Bronze
 
Ü Ritterkreuz    29.07.1940
Ü Eichenlaub  (003)  24.09.1940
Ü
Schwerter
(001)  21.06.1941
Ü Brillanten  (002)  28.01.1942
* 19.03.1912 in Westerholt/Westfalen V 09.02.1996 in Oberwinter
 
   
Biographie
 
Der Name Adolf Galland ist mit einer der großartigsten Karrieren der Luftkriegsgeschichte verbunden. Bereits während des Spanischen Bürgerkrieges ein erfolgreicher Flieger, stieg er während der ersten Kriegsjahre zu einem der besten Jagdpiloten auf, wurde mit 29 Jahren General der Jagdflieger und nach dem Krieg beinahe erster Oberbefehlshaber der Bundesluftwaffe.
Bereits in seiner Jugend ein begeisterter Segelflieger, trat Galland 1932 in die offiziell noch nicht bestehende neue deutsche Luftwaffe ein. 1933 nahm er an der geheimen Ausbildung in Italien teil, 1934 erfolgte die Beförderung zum Leutnant, nachdem ein Flugunfall seine Karriere schon beinahe beendet hatte. 1937 konnte Oberleutnant Galland in der "Legion Condor" im Spanischen Bürgerkrieg erste Erfahrungen in der Erdkampfunterstützung sowie als Staffelkapitän sammeln. Galland war mit seiner 3. (Schlacht-)Staffel/J.88 so erfolgreich, dass er als einer der wenigen mit dem Spanienkreuz mit Schwertern in Gold mit Brillanten ausgezeichnet wurde. Während seiner Einsatzzeit freundete Galland sich mit später so berühmten Fliegerassen wie Mölders, Lützow, Oesau und Balthasar an. Im Gegensatz zu diesen Persönlichkeiten konnte der zukünftige General der Jagdflieger in 280 Einsätzen jedoch noch keinen Luftsieg erzielen.
Aufgrund seiner Jagdbombererfahrungen gleich zu Beginn des Polenfeldzuges als Staffelkapitän in der II./Lehrgeschwader 2 eingesetzt, flog Hauptmann Galland täglich bis zu vier Einsätze. Dafür erhielt der hervorragende Flieger und Offizier das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen - doch Galland fühlte sich seit je her zum Jäger berufen. Erst nach unzähligen Versetzungsgesuchen an das Oberkommando der Luftwaffe stimmte Göring dem Wechsel zu und ließ ihn als Geschwaderadjutanten in das von Oberst Max Ibel (später einer der ersten Brigadegenerale der Bundesluftwaffe) geführte Jagdgeschwader 27 versetzen. Während des Westfeldzuges am 12.05.40 gleich dreimal erfolgreich, erzielte Galland bis zur französischen Kapitulation 17 bestätigte Luftsiege, wofür er als einer der ersten Jagdflieger das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz erhielt. Am 6. Juni 1940 wurde Galland Kommandeur der III. Gruppe des Jagdgeschwaders 26 "Schlageter", am 22. August übernahm er als 28jähriger Major bereits die Geschwaderführung.
Während den gefährlichen und anstrengenden Einsätze über England führte Galland das JG 26 vorbildlich und baute seinen Spitzenplatz unter den deutschen Jagdflieger-Assen weiter aus. In unzähligen Einsätzen konnte der im Luftkampf sehr überlegt agierende Galland weitere Abschüsse erzielen. Am 24. September 1940 erhielt er für seinen 40. Luftsieg das neugestiftete Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen, zu diesem Zeitpunkt lag nur sein Freund und Rivale Mölders in punkto Luftsiegen vor ihm. Wenig später trat Galland während eines Luftgefechtes über dem Kanal ohne es zu wissen gegen das britische Fliegerass Robert Stanford-Tuck (27 Siege) an, konnte jedoch keine Treffer erzielen.
Als Deutschland den Versuch, England durch eine Invasion in die Knie zu zwingen, aufgeben musste und sich anderen Operationen zuwandte, blieb das JG 26 am Kanal stationiert. In den nächsten Monaten flog der zum Oberstleutnant (01.11.40) beförderte Galland weiterhin gegen die hervorragend ausgerüstete und hoch motivierte Royal Air Force und erzielte im November 1940 seinen 50. Abschuss, der 58. gelang einen Monat später.
Im Juni 1941 wurde Galland bei einem Luftgefecht mit Spitfires über St. Omer selbst abgeschossen und verwundet. Im selben Monat meldete er aber auch sein 70. Luftsieg, der ihm als ersten Offizier die Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub einbrachte, damals die höchste Tapferkeitsauszeichnung.
Im Sommer schoss der Kommodore insgesamt 24 britische Gegner ab und wurde zum bereits fünften Mal im Wehrmachtsbericht erwähnt. Als zu dieser Zeit das britische Flieger-As Wing Commander (Oberstleutnant) Douglas Bader von einem Piloten Gallands abgeschossen wurde und in Gefangenschaft geriet, lud ihn Galland freundlich auf den Geschwaderflugplatz ein, erwies sich als guter Gastgeber und ließ den britischen „Kollegen“ auf Anfrage sogar eine Bf 109 besichtigen. Im Januar 1942 wiederholte der Geschwaderkommodore dieses altritterliche Procedere auch für den abgeschossenen „Bob“ Stanford-Tuck, mit 27 Siegen ebenfalls einer der besten britischen Jagdflieger dieser Zeit. Auch der Träger des DSO war in Gefangenschaft geraten.
Nach weiteren schweren Einsätzen an der Kanalfront war es für Galland eine Überraschung, als er am 28. Januar 1942 nach Mölders als zweiter Soldat die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern erhielt und zum Oberst befördert wurde. Leider musste Galland nun ein Feindflugverbot in Kauf nehmen.
Als der Brillantenträger Werner Mölders nur kurze Zeit später bei einem Flugunfall ums Leben kam, wurde Oberst Galland zur großen Verwunderung altgedienter Luftwaffengeneräle im Frühjahr 1942 als dessen Nachfolger zum General der Jagdflieger ernannt.
Gallands erste große Bewährungsprobe in dieser hohen Dienststellung war die luftwaffentaktische Planung der Operation "Cerberus". In diesem gewagten Unternehmen sollten die deutschen Schlachtkreuzer Gneisenau und Scharnhorst, begleitet von einigen kleineren Schiffen, aus dem durch die RAF zu gefährdeten Hafen von Brest nach Deutschland rückverlegt werden. Zwei Dinge machten dieses Vorhaben fast unlösbar - es sollte am Tage durchgeführt werden und der einzig sinnvolle Weg führte durch den britisch-beherrschten Ärmelkanal. Doch aufgrund von Gallands äußerst präziser Planung und einer ebenso genauen Durchführung konnten über 170 entlang der Kanalküste zusammengezogene Jäger die verwundbaren Schiffe pausenlos abschirmen und alle britischen Luftangriffe abwehren! Dieser Durchbruch war der erste erfolgreiche eines größeren feindlichen Flottenverbandes durch den Kanal seit Bestehen der britischen Seemacht. Dieser große Erfolg brachte dem jungen Galland den nötigen Respekt vieler älterer Luftwaffen-Generäle ein, die ihn bisher unterschätzt hatten. Am 19. November 1942 folgte auch der gebührende Lohn für seine Leistungen, indem Galland im Alter von erst 30 Jahren zum bis dahin jüngsten Generalmajor der Wehrmacht befördert wurde.
Im September 1943 musste Galland zusätzlich noch die Führung des Nachtjägerkorps übernehmen, sein Aufgabengebiet umfasste so bereits sechs verschiedene Fronten und über zwei Dutzend Frontgeschwader. In den Jahren 1942/43 versuchte Galland mit allen Mitteln die immer bedrohlicher werdende alliierte Bombergefahr einzudämmen. Doch mit Ausnahme einiger Einzelerfolge wie der Luftschlacht von Schweinfurt scheiterten viele gute Pläne am dickköpfigen Widerstand Görings und an der immer drückender werdenden Übermacht der Alliierten. So verlor das tapfere Jagdfliegerkorps alleine in den ersten vier Monaten des Jahres 1944 insgesamt über 1.000 Piloten. Nach diesen schweren Verlusten schrieb Galland eine Bericht an Göring in dem es hieß: "Der Zeitpunkt ist gekommen, in dem sich der Zusammenbruch des Jagdfliegerkorps abzeichnet!"
1943 konzentrierten sich die alliierten Bombenangriffe meist auf deutsche Industriezentren, im Frühjahr 1944 flogen die Amerikaner und Briten erstmals mit über 1.000 Bombern gegen ein und dasselbe Ziel! Zur gleichen Zeit begannen die Amerikaner als Vorbereitung für die Invasion mit gezielten Angriffen auf Verkehrsknotenpunkte in Westeuropa. Ein anderes, oft angeflogenes, Ziel der US-Bomber waren jene Betriebe in ganz Europa, welche die Wehrmacht mit lebensnotwendigem Treibstoff belieferten. So wurde besonders das rumänische Ploesti oft angegriffen, da dort 35 Prozent des deutschen Gesamtbedarfs produziert wurde. Im Laufe der Zeit wurde das von der Luftwaffe zu verteidigende Gebiet immer flächendeckender. So flogen die Alliierten ab 1943 auch von Nordafrika und Italien aus in das Reichsgebiet ein.
Trotz der zahlenmäßigen und taktischen Unterlegenheit erzielten Gallands Jäger erstaunliche Erfolge - jedoch diese Verluste konnte sich der Gegner leisten. In den deutschen Geschwadern gab es viele Asse mit zwanzig, dreißig oder noch mehr Siegen; doch selbst wenn jeder westalliierte Jagdpilot im Durchschnitt nur drei Deutsche abschoss, war das Schicksal der Luftwaffe rein rechnerisch schon besiegelt. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung war die deutsche Niederlage über dem Reichsgebiet aber trotzdem nicht so klar gewesen. Mehrmals standen die Alliierten hier am Rande einer Niederlage. So hatten bereits 1943, nach der Katastrophe von Schweinfurt, viele hohe US-Militärs die Einstellung der riskanten Tagbomberoffensiven gefordert. Ein erneuter Wendepunkt schien im Frühjahr 1944 greifbar, als das alliierte Oberkommando eingestehen musste, dass trotz der verlustreichen Bomberoffensiven der Materialausstoß der deutschen Industrie immer weiter anstieg, anstatt zu sinken. Im selben Jahr stand das Nachtbomberkorps der RAF kurz vor dem Kollaps, ehe den deutschen Nachtjägern massiv die Benzinzuteilung reduziert wurde und dadurch deren Effektivität sank.
Der amerikanische Bomberexperte Brigadegeneral Curtis Le May (1952 Generalstabschef der USAF) sagte später über seinen ehemaligen Kriegsgegner: "Die am zähesten verteidigten Himmelsräume der Geschichte lagen über Deutschland - General Galland war der Architekt dieser Verteidigung!"
Als sich 1944 endlich eine Lösung vieler Probleme in Form des revolutionären Düsenjägers Messerschmitt Me 262 "Schwalbe" bot, legten sich Göring und Hitler abermals quer und verboten anfangs die Serienherstellung der Maschine als Jäger! Erst als Galland mit seinem Rücktritt drohte und sich viele technische und militärische Experten hinter den General stellten, billigte Hitler die Aufstellung der "Erprobungsgruppe Nowotny". Galland vertrat die Meinung, dass eine Me 262 den Kampfwert von drei Fw 190 hatte.
Trotz seiner Dienststellung entschloss sich Galland im Frühjahr 1944 als Beobachter am Abwehreinsatz eines Jagdgeschwaders teilzunehmen. Obwohl er striktes Angriffsverbot hatte, griff der Generalmajor, vom Kampffieber gepackt, kurz entschlossen in den Luftkampf ein und schoss einen viermotorigen US-Bomber ab. Als er aufgrund verfolgender "Mustang"-Begleitjäger im Tiefflug einen deutschen Fliegerhorst ansteuerte, wurde er irrtümlich von eigener Flak beschossen, konnte jedoch sicher landen. Solche Aktionen, seine große Kampferfahrung und sicherlich auch seine Jugend brachten dem General der Jagdflieger unter seinen Geschwaderführern und Piloten große Popularität ein. Andererseits musste sich Galland aufgrund seiner Nähe zu Parteigrößen und unbeliebten hohen Militärs (z.B. Göring) auch viel Kritik gefallen lassen. Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass Galland sich nicht immer mit voller Überzeugung vor seine Jagdflieger stellte, als diese wiederholt von Hitler und Göring aufgrund der Misserfolge in der Reichsverteidigung kritisiert wurden. Während er die Veteranen der frühen Kriegsjahre in Schutz nahm, ließ er oftmals die jungen Jagdflieger der späteren Eintrittjahrgänge gegenüber diesen Attacken ungeschützt. Nach der verlustreichen Niederlage des Jagdfliegerkorps über Sizilien verabsäumte es Galland sogar, Göring daran zu hindern, ungerechtfertigte oder zumindest übertriebene Kriegsgerichtsverfahren gegenüber einigen der hier eingesetzten Piloten zu verhindern.
Als am 6. Juni 1944 westalliierte Truppen unter dem Schutz von über 10.000 Jägern und Bombern in der Normandie landeten und die sgn. Zweite Front eröffneten, konnte die Luftwaffe ganze zwei Jagdmaschinen aufbieten (siehe Josef Priller). Diese Tatsache spiegelt Gallands damalige Situation am Besten wieder - in Folge mussten die bereits überlasteten Westgeschwader zusätzlich zur Reichsverteidigung auch noch aktive Heeresunterstützung fliegen. Die nötigen Verstärkungen mussten von der Ostfront abgezogen werden, zusätzlich wurde das ohnehin bereits zu kurze Ausbildungsprogramm für neue Jagdflieger erneut verkürzt, um sie schneller an der Front einsetzen zu können. Die Verluste waren dementsprechend hoch.
Am 11.04.44 wurde Adolf Galland für seine Leistungen als Kommandeur der Jagdfliegerkräfte zum Generalleutnant befördert, was nur ganz wenigen Offizieren seines Alters zuteil wurde.
Während den andauernden Meinungsverschiedenheiten und Streitgesprächen mit Göring kam es eines Tages dazu, dass der Oberbefehlshaber der Luftwaffe die alten Veteranen der Luftschlacht um England als ordensverwöhnte Feiglinge beschimpfte. Wütend und kurz entschlossen riss sich daraufhin Galland seine Brillanten vom Hals und warf sie mit einem dumpfen Knall auf den Konferenztisch. Mehrere Verbandsführer der Westfront, darunter Major Hohagen und Oberst Dahl, stellten sich hinter ihren General und legten ihre Orden ebenfalls ab. Wäre der große Werner Mölders noch am Leben gewesen - er hätte sich ebenfalls angeschlossen. Erst sechs Monate nach Görings Entgleisung trug Adolf Galland seine Auszeichnung wieder.
Im Herbst 1944 arbeitete Galland mit seinem Jägerstab eine Plan aus, nach welchem erstmals wieder eine größere Reserve an Tagjägern geschaffen und für koordinierte Abwehreinsätze gegen die bereits überdimensionalen US-Bomberverbände in Bereitstellung gehalten werden sollte. Als durch schwierige, gezielte Maßnahmen im Winter 1944 erstmals wieder 41 einsatzfähige Jagdgruppen für die Reichsverteidigung zur Verfügung standen, wäre Galland in der Lage gewesen, den alliierten Bombern schwere Verluste zuzufügen. Doch Göring befahl den Einsatz dieser Reserven für Bodenangriffe als Unterstützung der Ardennenoffensive in Belgien.
Als am 1. Januar 1945 ein Großteil dieser wertvollen und letzten Reserven in der fragwürdigen Operation "Bodenplatte" für die Zerstörung von wertlosen Feindmaschine am Boden geopfert wurde, kam es zum Höhepunkt des lange schwelenden Konfliktes zwischen Galland und Göring. Wegen "unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten" wurde der Jagdfliegergeneral abgesetzt und durch den Brillantenträger Oberst Gordon M. Gollob ersetzt.
Wenige Tage später forderten viele Geschwaderführer des Jagdfliegerkorps, darunter Priller, Lützow und Graf, in einer hitzigen Diskussion mit Göring die sofortige Rückkehr Gallands. Sie wurden ignoriert - das Aufbäumen ging als sgn. "Meuterei der Jagdflieger" in die Geschichte ein.
Generalleutnant Galland kehrte indes freiwillig in den Kampfeinsatz zurück. Um die Richtigkeit des von ihm so hartnäckig vertretenen Me 262 Prinzips zu beweisen, stellte er den legendären Düsenjagdverband 44 auf und scharte viele alte Haudegen und Freunde um sich.
Unter den Spitzenkönnern die seinem Ruf folgten, befand sich die Elite der Luftwaffe: u.a. die Schwerterträger Oberst Lützow (108), Oberstleutnant Bär (220), Major Barkhorn (301) und Oberstleutnant Steinhoff (176), der Eichenlaubträger Hauptmann Walter Krupinski (197) sowie die Ritterkreuzträger Oberleutnant Hans Grünberg (82), Major Diethelm von Eichel-Streiber (96), Oberleutnant Alfred Heckmann (71), Viermot-Spezialist Hauptmann Rüdiger von Kirchmayer (46), Major Erich Hohagen (55) und Major Karl-Heinz Schnell (72). Sie alle verließen ihre Einheiten und Ausbildungsposten oder kamen direkt aus dem Lazarett, um mit Galland zu fliegen - ehemalige Geschwader- und Gruppenkommandeure mit hunderten Feindflügen waren bereit, als einfache Flugzeugführer eingesetzt zu werden. Das Ritterkreuz war quasi die Aufnahmebedingung für den "Jagdverband Galland" und wurde von einigen scherzhalber sogar als Staffelwappen bezeichnet. Eine bessere Bezeichnung war jedoch “Staffel der Geächteten”, da hier viele bei Göring in Ungnade gefallene Verbandsführer “Zuflucht” fanden.
In den Monaten Februar bis April 1945 flog Galland wiederholt gegen den Feind. Nachdem er seinen Rekord auf 104 bestätigte Westsiege erhöht hatte - damit war er einer von nur zehn Tag-Jagdfliegern des Krieges - wurde er während seines 705. Feindfluges (mit Spanien) durch Geschossgarben einer P-51 verwundet. Mit einem Geschosssplitter im Bein lag er bis Kriegsende im Lazarett. Am 5. Mai geriet Galland in britische Kriegsgefangenschaft, wo er u.a. von bekannten alliierten Jagdfliegerassen besucht wurde. Zwei von Gallands Brüdern waren als Piloten im JG 26 gefallen, Major Wilhelm-Ferdinand Galland als Ritterkreuzträger und Sieger in 55 Luftgefechten, der jüngere Leutnant Paul Galland nach 17 Siegen. Der älteste Bruder Fritz war Jagd- und Aufklärungsflieger gewesen und überstand den Krieg.
Nach seiner Entlassung aus westalliierter Kriegsgefangenschaft nahm Adolf Galland ein Angebot der argentinischen Regierung an und arbeitete zusammen mit der Stukalegende Hans-Ulrich Rudel und dem hochdekorierten Kampfflieger Werner Baumbach in der Flugzeugerprobung und Pilotenausbildung. 1955 kehrte Galland in die Bundesrepublik zurück. Als wenig später die Bundesluftwaffe gegründet wurde, suchte man nach einem geeigneten Kandidaten für das Amt des Inspekteurs dieser Waffengattung. Galland erfüllte alle Voraussetzungen - er war politisch unvorbelastet, verfügte über eine enorme Front- und Stabserfahrung, war jünger als viele andere Mitbewerber und besaß das volle Vertrauen der ehemaligen Veteranen bzw. zukünftigen Führungsoffiziere der Bundesluftwaffe. Nach einigem Zögern nahm Galland das verlockende Angebot an - doch wenige Wochen später wurde statt dessen der ehemalige Kommandeur des Nachtjägerkorps, Ritterkreuzträger General Josef Kammhuber, zum ersten Inspekteur der Bundesluftwaffe ernannt. Grund dafür war ein Wechsel der politischen Führung der Bundesrepublik, die sich für Kammhuber entschied. Galland lehnte daraufhin andere ihm angetragene hohe Stabsstellen ab und zog sich erfolgreich in die Privatindustrie zurück.
Im Kameradschaftsbund der Jagdflieger übernahm Galland eine zentrale Rolle, aufgrund seiner Erfahrungen wirkte er in dem wirklichkeitsnahen Film "Luftschlacht um England" als deutscher militärischer Berater mit. Sein Buch "Die Ersten und die Letzten" wurde zum Welterfolg.
Wenige Wochen, bevor der Autor mit der Arbeit an diesem Buch begann, verstarb Generalleutnant a.D. Adolf Galland als letzter der ehemaligen Brillantenträger im Alter von 83 Jahren und wurde in Anwesenheit höchster Militärs der Bundeswehr beigesetzt.

Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, ritterkreuz.at