Colonel Francis „Gabby“ Gabreski
Fliegerass in zwei Kriegen
 
Steckbrief
 
 US ARMY AIR FORCE 28 Abschüsse
 
   
Biographie
 
Als Sohn polnischer Einwanderer in Pennsylvania aufgewachsen und Absolvent der bekannten Universität von Notre Dame, entschied sich der junge Francis Stanley Gabreski für den Dienst in der Armee. Nach der Grundausbildung in eine Fliegerschule versetzt, wurde 2nd Lieutenant Gabreski – von seinen Freunden kurz „Gabby“ genannt – 1941 in eine USAAF-Jagdfliegerstaffel der Pazifikflotte versetzt und in Hawaii stationiert.
Der hier sicherlich nicht unangenehme Dienst fand jedoch am 7. Dezember 1941 ein jähes Ende, als japanische Geschwader ohne Kriegserklärung Pearl Harbor angriffen und hierbei auch sämtliche amerikanische Flugplätze in Schutt und Asche legten. Kaum ein amerikanischer Jäger kam überhaupt in die Luft.
Da im Pazifik in den nächsten Monaten vor allem Marine Corps und Navy zum Einsatz kamen, trat Gabreski erst wieder im Januar 1943 in Erscheinung, als er quasi als „US-Leihgabe“ in der britisch-polnischen No. 315 Squadron seinen Dienst antrat und zwanzig Jagdbomber- und Aufklärungseinsätze über Frankreich flog. Nach einigen Wochen erfolgte der Versetzungsbefehl zur 56th Fighter Group (Zemke) der 8. US-Luftflotte, welche mit der P-47 Thunderbolt ausgerüstet war. Fast 670 km/h schnell und mit acht Maschinengewehren bewaffnet, war die stark motorisierte, bullige Maschine in der Hand eines fähigen Piloten wie „Gabby“ Gabreski eine ernste Bedrohung für deutsche Jagdmaschinen.
Nichtsdestotrotz brauchte es fast acht Einsatzmonate und 100 Einsätze, bis am 24. August 1943 der erste Gegner unter den Geschossgarben in Flammen aufging. Als am 26. November während eines Langstrecken-Begleitschutzeinsatzes gleich zwei Bf 110 Zerstörer sowie eine Bf 109 unterlagen, wurde Francis S. Gabreski nach 75 Feindflügen zum Fliegerass. Hierfür bereits mit dem DSC ausgezeichnet, wurde er nun Führer der 61st Fighter Squadron der 56th Fighter Group – bei Kriegsende die erfolgreichste Jagdgruppe der US-Streitkräfte.
Gabreski, sein Kommandeur Zemke (17,75) und dessen Stellvertreter Schilling (22) waren zusammen derart erfolgreich, dass die begeisterte US-Presse sie in Artikeln nur als „Die furchtbaren Drei“ bezeichnete.
1943/44 dehnte die US-Luftwaffe ihre groß angelegten Tagangriffe bis weit nach Deutschland aus, um wichtige Rüstungsbetriebe zu zerstören. Diese Langstreckeneinsätze der Boeing B-17 Flying Fortress-Verbände machten es aber notwendig, dass sich mehrere Jagdgeschwader auf dem Hinflug, über dem Ziel und auf dem Rückflug den Bombern anschlossen, um sie gegen die wilden Angriffe der deutschen Jagdgeschwader zu schützen. Versuche, die Bomber alleine loszuschicken, waren trotz ihrer schweren Abwehrbewaffnung blutig im Chaos versunken. Die kleinen, einmotorigen Jäger waren die einzige Lebensversicherung der Bomberbesatzungen. 
Gabreski flog unzählige dieser aufreibenden Geleiteinsätze und schoss hierbei immer wieder deutsche Jagdmaschinen ab – letztendlich waren nur sieben seiner Opfer keine Jäger.
Durch seine großartigen Angriffe und Trefferpräzision waren im Frühjahr 1944 bereits 22 Abschussmarken in Form einer deutschen Flagge an Major Gabreskis Thunderbolt zu finden, womit er einer der führenden alliierten Jagdflieger auf dem europäischen Kriegsschauplatz war.
Nach harten Einsätzen in der sogenannten „Big Week“ erzielte der Major am 22. Mai 1944 drei und am 5. Juli mit einer Bf 109 seinen 28. und zugleich letzten Sieg. Denn am 15. Juli – amerikanisch/britische Bodentruppen hatten einen Monat zuvor endlich wieder Fuß in Europa gefasst – führte ein zum Lt. Colonel beförderter Gabreski einige seiner Piloten während einer Jagdbombermission gegen Stützpunkte bei Koblenz an. Durch die heftige deutsche Flakabwehr zu Tiefstflugmanövern gezwungen, bekam Gabreskis P-47 plötzlich Bodenberührung und er konnte von Glück sagen, den Aufprall noch halbwegs „kontrollieren“ zu können. Mit mehreren Schrammen aus dem Cockpit entkommen, wurde das 193mal gegen den Feind geflogene Fliegerass erst nach fünftägiger Flucht von deutschen Soldaten entdeckt und gefangengenommen.
So verbrachte der hochdekorierte Offizier (Distinguished Service Cross, mehrere Distinguished Flying Cross, Silver Star, mehrere Air Medal, Distinguished Unit Citation, franz. Legion d` Honneur und Croix de Guerre, frei-polnisches Tapferkeitskreuz) den Rest des Krieges in einem Gefangenenlager für US-Fliegeroffiziere. Sein für August geplanter Hochzeitsurlaub musste nun dementsprechend lange warten, wurde aber 1946 nachgeholt.
Bei Kriegsende hielt „Gabby“, gleich auf mit seinem Gruppenkamerad und Freund „Bob“ Johnson, den Luftsiegrekord innerhalb der USAAF in Europa.
Zum Colonel befördert und mit weiteren Ehrungen überhäuft, verblieb Francis Gabreski nach dem Krieg in der USAF und wurde bei Ausbruch des Koreakrieges stellvertretender Kommandeur der 4th Interceptor Fighter Wing unter dem bekannten Haudegen John C. Meyer (23 im 2. Weltkrieg und 3 in Korea). Mit F-86 Sabres ausgerüstet, traten die Piloten 1950/53 gegen nordkoreanische und sowjetische Piloten an, wobei „Gabby“ Gabreski seinen Kritikern bewies, dass auch ein bereits leicht ergrauter Veteran es noch mit jungen Gegnern aufnehmen kann. Mit seinem 5. Luftsieg am 1. April 1951 und eineinhalb (der halbe anteilig) weiteren bis zum Ende seines Fronteinsatzes, schrieb er sich in jene Gruppe von nur sieben amerikanischen Piloten ein, die es sowohl im Zweiten Weltkrieg, als auch in Korea zum Fliegerass gebracht hatten.
Ende 1951 übernahm ein mit der Distinguished Service Medal ausgezeichneter Gabreski die Geschwaderführung der sehr erfolgreichen 51st Fighter Wing  und stieg nach dem Koreakrieg zum Chief of Combat Operations beim Generalinspekteur USAF auf. 1956 Kommandeur des 354th Tactical Fighter Wing in South Carolina (ab 1958 als NATO-Verband in der Türkei) und ab 1960 Geschwaderkommodore auf Okinawa, wurde Gabreski drei Jahre darauf Inspekteur der Fliegenden Verbände im Pazifik und flog sogar noch einige Kampfeinsätze über Nordvietnam. Viele junge Kampfpiloten ließen sich extra in sein Geschwader versetzen, um mit dieser fliegenden Legende der USAF zusammen zu dienen.
Zuletzt Kommandeur der 52nd Tactical Wing in New York, beendete der hoch dekorierte Veteran seine lange Karriere im Jahre 1967 und war in den folgenden Jahren u.a. als technischer Berater für die Flugzeugfirma Grumman erfolgreich. In der American Fighter Aces Association (Kameradschaftsvereinigung der US-Fliegerasse) nahm Gabreski eine führende Rolle ein. 1971 wurde ihm zu Ehren der Francis-Gabreski-Airport in Westhampton, New York eröffnet. Dieser wird sowohl zivil, als auch für die Stationierung von Verbänden der Air National Guard eingesetzt.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at