Major Joseph „Joe“ Foss
Erfolgreich in Krieg und Frieden
 
Steckbrief
 
 US MARINE CORPS  26 Abschüsse
 
   
Biographie
 
In der langen Geschichte der Vereinigten Staaten wurden immer wieder hochdekorierte Kriegshelden in späteren Jahren in hohe politische Funktionen gewählt. Dies gilt für den Helden des Unabhängigkeitskrieges George Washington (1. US-Präsident) und den Sieger des Sezessionskrieges Ulysses S. Grant (18. US- Präsident) ebenso, wie für Joseph Jacop Foss.
1943 als einer der erfolgreichsten Jagdflieger mit dem höchsten Tapferkeitsorden ausgezeichnet, brachte er es in seinem Heimatstaat South Dakota später zweimal zum Gouverneur.
Bereits vor Kriegsausbruch in eine Jagdfliegerschule des US Marine Corps eingetreten, gehörte Foss – Jahrgang 1915 und Nachkomme schottisch-norwegischer Einwanderer - zu jenen hitzigen Piloten, die nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor auf ihren ersten Kampfeinsatz brannten. Doch erst mussten dienstliche Hürden genommen werden, denn mit seinen knapp 27 Jahren wurde Foss zunächst für den Kampfeinsatz als bereits für zu alt abgelehnt. Doch schließlich siegte seine Argumentation und er erhielt den Marschbefehl. 
Im Oktober 1942 mit der VMF-121 (1st Marine Fighter Wing) auf der Salomoneninsel Guadalcanal angekommen, flog er seinen ersten Einsatz mit einer Grumman F-4F Wildcat und konnte bereits wenige Minuten nach Gefechtsbeginn mit einer japanischen „Zero“ (570 km/h, vier Maschinenkanonen mittleren Kalibers) seinen ersten Abschuss melden.
Die zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten hart umkämpfte Insel blieb bis zum Frühjahr 1943 im Blickpunkt des Kriegsgeschehens im Südpazifik. Während sich die US-Marineinfanterie gegen wilde Angriffe japanischer Bodentruppen zur Wehr setzte, flog die VMF-121 jeden Tag mehrere Jagd- oder Abfangeinsätze sowie Tiefangriffe und Aufklärungsflüge. Auch gefährliche Einsätze gegen schwerbewaffnete japanische Zerstörer und Transporter hatte Foss zu überstehen. Doch die Hauptaufgabe der Piloten war die Herstellung der Luftüberlegenheit über der 6.000 km² großen Insel. Neben der erfolgreichen VMF-121 war hier u.a. auch Boyingtons berühmte VMF-214 im Einsatz.
1st Lieutenant Foss bewährte sich während den andauernden Einsätzen und konnte schon nach neun Einsatztagen seinen fünften bestätigten Abschuss melden – eine große und nur selten erreichte Leistung.
Mehrmals bekam der Rottenführer aber auch die Entschlossenheit und Zielgenauigkeit seiner japanischen Gegner zu spüren – dreimal kehrte Foss mit zerschossenem Leitwerk, beschädigtem Motor oder leichten Verwundungen vom Einsatz zurück. Mehr als nur einmal war seine ungestüme Angriffsart hierfür mitverantwortlich. Einmal war er aufgrund von schweren Treffern eines Bomber-Heckschützen sogar gezwungen, seine Maschine mit dem Fallschirm zu verlassen und wurde erst nach einem Tag auf offener See von einem Suchflugzeug entdeckt.
Im Laufe der Zeit wurde aber auch Foss schließlich besonnener und in seinen Angriffen genauer. Er flog immer häufiger ganz nahe an den Gegner heran, bevor er gezielt das Feuer eröffnete. Diese Taktik und der Dauereinsatz über den Salomonen führte dazu, dass ein zum Captain beförderter Joseph Foss in den Wochen nach seinen ersten Luftsiegen dieses hohe Niveau beibehielt, in fast jedem Luftkampf auch Treffer erzielte und in unglaublicher Geschwindigkeit an die Spitze der US-Fliegerasse vorstieß. Zwischen dem 09.10 und 19.11 – also innerhalb von nur 42 Tagen, erzielte der Ausnahmepilot unglaubliche 23 Abschüsse und näherte sich dem innerhalb der US-Luftwaffe seit dem Ersten Weltkrieg geltenden Rekord des berühmten Asses Eddie Rickenbacker (26).
Am 25. Oktober hatte Foss in einem Luftkampf die „Zero“ von Keisaku Yoshimura abgeschossen, welcher neun Luftsiege auf seinem Konto gehabt hatte. Als Captain Foss, inzwischen bereits stellvertretender Führer der VMF-121, während eines heftigen Luftkampfes am 15. Januar 1943 drei japanische Jäger abschoss und sein Konto so auf 26 Siege erhöhte, war er der bisher erfolgreichste US-Jagdflieger des Krieges.
Die folgenden Wochen musste Foss jedoch wegen einer Malariaerkrankung im Lazarett verbringen.
Inzwischen zum Nationalhelden und Vorzeigepiloten des USMC geworden, wurde der 28jährige am 18. Mai 1943 nach Washington befohlen, wo er aus der Hand von Präsident Franklin D. Roosevelt die Congressional Medal of Honor erhielt. Diese höchste US-Auszeichnung trug Foss als achtundfünfzigster Soldat des Krieges, vierter Jagdflieger und vierzehnter Angehöriger des Marine Corps. Bereits im Winter 1942 hatte Foss das Distinguished Flying Cross erhalten.
Aufgrund seiner hohen Auszeichnung vom Kampfeinsatz zurückgezogen, verbrachte Major Foss zwei Jahre als Jagd- und Taktikausbilder in den Staaten, ehe er im Sommer 1945 als Staffelkommandeur einer mit F4U Corsairs ausgerüsteten Jagdstaffel in den Pazifik zurückkehrte. Aufgrund der baldigen japanischen Kapitulation kamen jedoch keine anerkannten Luftsiege mehr hinzu.
Bei Kriegsende hatte Joe Foss den achten Rang unter den US-Fliegerassen und hinter „Pappy“ Boyington den zweiten Rang innerhalb des USMC inne. Mit vierzehn Fliegerassen war die VMF-121 eine der erfolgreichsten Jagdverbände der US-Streitkräfte geworden.
Nach Foss waren „Guts“ Marontate (13), Herbert Long (10) und Tom Mann (10) die treffsichersten Piloten der Staffel.
Die 1942/43 errungenen Siege von Foss und seinen Kameraden sind wohlgemerkt im gewissen Sinne höher einzustufen, als jene Erfolge der US-Jagdflieger 1944/45, denn zu diesem Zeitpunkt flogen noch meist hervorragend ausgebildete und teilweise aus China erfahrene Piloten gegen die Alliierten. Im letzten Kriegsjahr hingegen wurden bereits viele halbausgebildete japanische Flugschüler an die Front beordert.
Bei Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, ließ sich Foss bei Ausbruch des Koreakrieges als Colonel wieder reaktivieren und tat in verschiedenen Stäben Dienst. 1953 kehrte er in die Staaten zurück und wurde als Brigadier General der Reserve mit dem Aufbau der Air National Guard (Reserve-Luftwaffenkorps) in South Dakota betraut. Bereits ein Jahr später hier erstmals zum Gouverneur gewählt, schaffte Foss auch die Wiederwahl und bekleidete dieses wichtige Amt bis 1959.
Weitere Höhepunkte seiner steilen zivilen Karriere waren Präsident der American Football League (1960 - 1966), Präsident der American Fighter Aces Association (Kameradschaftsvereinigung der US-Fliegerasse), Zivil-Vortragender an der Air Force Academie, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der holländischen Fluggesellschaft KLM in den USA sowie Vorsitzender der National Rifle Association (Amerikanische Vereinigung für Handfeuerwaffen; sehr starke Lobby in den USA)! Zwischen all diesen Verpflichtungen fand der geschäftstüchtige Foss noch die Zeit, zwei beliebte politische Fernsehshows zu moderieren. Erst im hohen Alter zog sich Joseph J. Foss endgültig ins Privatleben zurück. Die Air National Guard South Dakota ehrte ihren einstigen Kommandeur mit dem Joe-Foss-Airfield in Sioux Falls.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at