Major Richard "Dick" Bong
Kurz vor Kriegsende in der Heimat verunglückt
 
Steckbrief
 
 US ARMY AIR FORCE  40 Abschüsse
 
   
Biographie
 
1920 als eines von zehn Kindern der Familie Bong in Wisconsin geboren, trat Richard bei Kriegsbeginn 1941 in die USAAF, die Heeresluftwaffe, ein und wurde zum Jagdflieger ausgebildet. Im November 1942 als 2nd Lieutenant zur 35th Fighter Group auf Guadalcanal (Salomonen) versetzt, flog er die bereits etwas veraltete P-40 „Warhawk“ und sammelte erste Gefechtserfahrung.
Bereits nach wenigen Feindflügen am 27.12.42 zum ersten Mal siegreich, zierten im Januar 1943 bereits fünf japanische Abschussmarkierungen Bongs Maschine und wiesen ihn als Fliegerass aus. Ungewöhnlich für einen Anfänger war die Konzentration des jungen Mannes im Luftkampf. Er konnte sich minutenlang hinter einen feindlichen Jäger hängen, ohne wilde Feuerstöße abzugeben. Er studierte den Gegner, zeichnete sich durch ausgezeichnete Angriffstaktiken aus und war - obwohl er dies von sich selber nicht behauptete - ein passabler Schütze. Ungewöhnlich für einen Jagdflieger seines Alters war seine Ruhe und Gesetztheit am Boden, anders als bei vielen seiner gleichaltrigen Kameraden. Doch in der Luft wandelte sich dies in Sekundenschnelle - hier war Bong aggressiv, für seine Flüche und Schimpfereien über Funk bei missglückten Manövern berüchtigt und kaum zu bremsen - aber nur selten vorschnell oder unvorsichtig.
Am 3.  März erzielte Bong während eines Einsatzes über der Bismarck See seinen 6. Abschuss und wurde zum 1st Leutnant befördert.
Als er im Frühjahr 1943 zur 39th Fighter Squadron - genannt „Flying Knights“ - der 49th Fighter Group versetzt wurde, ging sein Stern endgültig auf, denn nun flog er die schwer bewaffnete, sehr wendige und mit zwei Motoren äußerst mächtige P-38 „Lightning“ – aufgrund ihres geteilten Leitwerkes auch „Gabelschwanz-Teufel“ genannt. Die Jagdgruppe war auf Initiative des Oberkommandos im Pazifik extra aus bereits erfahrenen Piloten aufgestellt worden, um den japanischen „Zeros“ Herr zu werden. Zum Captain und Gruppenführer befördert, eignete sich Richard Bong innerhalb der nächsten Monate umfassende Taktik- und Angriffserfahrungen an, die ihm schließlich den Ruf eines herausragenden Verbandsführers einbrachten. 
In den fast täglichen Luftkämpfen erzielte Bong rasch Sieg auf Sieg - so am 26.07.43 gleich vier (hierfür DSC) - schon bald meldete der sympathische, freundliche Offizier seinen 16. Abschuss. 
Über Borneo, den Salomonen, Neu-Guinea und unzähligen unbekannten kleinen Inselchen setze der seine Siegesserie schnell fort. Um mehr Erfolge erzielen zu können, baten die Piloten der 39th Fighter Squadron in dieser Zeit die Bordschützen jener Bomberverbände, die sie eskortierten, sogar, nur wenn unbedingt nötig selbst auf angreifende japanische Jäger zu feuern.
Ein eindrucksvolles Team bildete Bong mit seinem oftmaligen Flügelmann Lt. Thomas Lynch, welcher insgesamt 20 Luftsiege errang und somit ebenfalls einer der besten Pazifikjäger wurde. Einmal schafften es diese beiden Spitzenpiloten, die im Luftkampf schwer zusammengeschossene „Lightning“ eines Kameraden über 200 Meilen weit nach Hause zu eskortieren, ohne dass angreifende japanische Maschinen dem Havaristen zu nahe kommen konnten.
Im Sommer war die hochmotivierte Staffel zu einer der ersten amerikanischen Pazifikeinheiten mit 100 Luftsiegen geworden. Als Bong am 3. April 1944 mit einer japanischen „Tony“ seinen bereits 25. Sieg im 170. Feindflug erzielte, näherte er sich dem Rekord des im Sommer 1943 vom Kampfeinsatz zurückgezogenen USMC-Captain Joseph Foss.
Zum Top-Ass im Pazifik wurde der bereits zum Major beförderte Bong am 12. April, als er über Neu-Holland seinen 26. bis 28. Luftsieg errang. Wie in vielen seiner Luftkämpfe verdankte er auch diese drei Erfolge seinen berühmten Sturz- und Überraschungsangriffen aus großer Höhe. Zu den vielen Glückwunschtelegrammen, die nun auf Bongs Stützpunkt eintrafen, gehörte auch jenes von Eddie Rickenbacker, dessen 26 Siege im Ersten Weltkrieg der bisherige Rekord des Heeresluftwaffe gewesen war.
Bereits mit dem Silver Star, dem Distinguished Service Cross und mehreren Distinguished Flying Cross dekoriert, wurde Major Bong nun vom Kampfeinsatz zurückgezogen und in die USA versetzt. Der Grund hierfür war die kurz zuvor geschehene Gefangennahme von „Pappy“ Boyington, mit 28 Siegen das bisherige Top-As im Pazifik. Das Oberkommando wollte Bongs Verlust in dieser Phase nicht riskieren. In den Staaten kam der erst 24jährige Bong als Taktik- und Luftkampfausbilder zum Einsatz, ehe er einen erneuten Fronteinsatz bewilligt bekam.
Als Bong im Spätherbst 1944 wieder an die Front zurückkehrte und dem 5th Fighter Command zugeteilt wurde, war er motivierter denn je. Da er jedoch aufgrund eines Pentagonbefehls eigentlich mit einer strengen Feindflugeinschränkung belegt war, meldete er sich mehrmals als „frontnaher Luftkampfausbilder“ und wurde auf diesen Übungsflügen mehrmals „zufällig“ in Gefechte verwickelt. Der Kommandierende General der Region hatte Verständnis dafür und billigte dieses Verfahren sogar stillschweigend. 
Major Bong tingelte indes zwischen verschiedenen Einheiten hin und her und erzielte Sieg auf Sieg. Während 30 solchen Einsätzen über Borneo, Leyte und den Philippinen fielen nicht weniger als 12 japanische Maschinen den 20 mm Kanonen seiner P-38 - inzwischen mit einem großen Bild seiner Verlobten Marge verziert - zum Opfer. Somit mit 40 Luftsiegen in nur 88 Luftkämpfen mit Abstand der erfolgreichste US-Jagdpilot, wurde Major Bong nach 200 Feindflügen endgültig mit einem Feindflugverbot belegt. Seine bestätigten Erfolge (acht Luftsiege blieben unbestätigt) hatte Bong in nur 25 erfolgreichen Luftkämpfen erzielt! Für wiederholte Tapferkeit im Gefecht und die eindrucksvolle Siegesserie zwischen dem 10. Oktober und 15. November als vierzehntes Fliegerass des Krieges mit der Congressional Medal of Honor beliehen, erhielt Richard Ira Bong diesen höchsten Tapferkeitsorden am 12.1244 aus der Hand von General Douglas MacArthur überreicht.
An weiteren Auszeichnungen trug der Offizier nunmehr zwei Distinguished Service Cross, zwei Silver Stars, sieben Distinguished Flying Cross, zwei Distinguished Unit Citation, fünfzehn Air Medals sowie das australische DFC und war somit einer der meist- und höchstdekorierten US-Soldaten überhaupt.
In die Staaten zurückgekehrt, wurde „Dick“ Bong von der Propagandaabteilung des Pentagons in Beschlag genommen, ehe er sich für den Dienst als Chef-Testpilot in den Lockheed–Werken (P-38-Konstrukteur) in Burbank, Kalifornien entschied.
Hier testete Bong u.a. die ersten Prototypen amerikanischer Düsenjäger. Tragischerweise fand er am 6. August 1945 durch einen technischen Defekt während eines Testfluges mit einer P-80 „Shooting Star“ (890 km/h schnell) den Tod. Am selben Tag wurde die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen, einen Monat später kapitulierte Japan vor den Alliierten. Der Krieg war zu Ende, der Tod des berühmtesten US-Jagdfliegers ging im tosenden Jubelsturm beinahe unter.
Seine Heimatstadt ehrte ihn später u.a. mit dem Richard-Bong-Airfield. Bis heute ist „Dick“ Bong in den USA ein bekannter Name und verehrter Kriegsheld.

Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“ von Florian Berger, fliegerasse.at