Oberst Georg Freiherr von Boeselager
Zum Attentat gegen Hitler bereit
 
Steckbrief
 
 
Ü Sturmabzeichen des Heeres
Ü Zweimalige Nennung im Wehrmachtsbericht
Ü Verwundetenabzeichen in Silber 
 
Ü Ritterkreuz    18.01.1941
Ü Eichenlaub  (053)  31.12.1941
Ü
Schwerter
(114) 28.11.1944 postum
 * 25.08.1915 in Kassel/Hessen V 27.08.1944 bei Lomza am Bug/Ostfront
 
   
Biographie
 
Als Spross einer traditionsreichen Soldatenfamilie von frühester Jugend an auf den Dienst als Kavallerieoffizier vorbereitet, trat der begeisterte und erfolgreiche Turnierreiter im Jahre 1934 ins Reiterregiment 15 ein. Seiner Ernennung zum Fähnrich folgte eine gründliche Ausbildung, die er 1936 mit der Beförderung zum Leutnant abschloss. Der äußerst korrekte und tapfere Offizier führte bei Kriegsausbruch eine Schwadron der Aufklärungsabteilung der 6. Infanteriedivision an. Im Polenfeldzug wurde Oberleutnant von Boeselager als Führer von berittenen Spähtrupps eingesetzt und bereits mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
Während des Frankreichfeldzuges mit seiner Abteilung stets an der Spitze der Division (XXXVIII. Armeekorps), erhielt Oberleutnant von Boeselager Anfang Juni 1940 den Befehl, die für den weiteren Vormarsch wichtige Seine-Brücke bei Les Andelys zu besetzen. Nachdem diese jedoch von den Franzosen zerstört worden war, setzte er mit seinen Männern kurzerhand über den Fluss und bildete trotz heftigem Feindbeschuss einen Brückenkopf, der bis zum Eintreffen von Verstärkung gehalten werden konnte! Am 13.06. erhielt er im Feld dafür das EK.I verliehen und wurde wenig später namentlich im Wehrmachtsbericht genannt.
Am 18.01.41 wurde Oberleutnant von Boeselager für diese Tat sowie Tapferkeit im Gefecht als zweiter Soldat der Heereskavallerie zudem mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Ihm war lediglich der spätere Schwerterträger und damalige Aufklärungskommandeur der 5. Infanteriedivision, Rittmeister Horst Niemack, "zuvorgekommen".
Ein halbes Jahr später führte Rittmeister (01.07.41) von Boeselager seine Schwadron in den ersten Phasen des Russlandfeldzuges an.
Der junge Kavallerieoffizier nahm an der Doppelschlacht von Bialystok-Minsk, den Kämpfen im Njemen- und Düna-Brückenkopf sowie den Schlachten bei Smolensk und Kelnja teil. Nach erneut großen Gefechtserfolgen bei Bjeljoj und der Winterschlacht vor Moskau wurde Georg von Boeselager für seinen Leistungen von der Division und dem Armeekorps zum Eichenlaub eingereicht. Wenige Tage, nachdem er diese Auszeichnung als erst 53. Soldat der Wehrmacht erhalten hatte, wurde er vom Fronteinsatz zurückgezogen und nach Deutschland versetzt.
1942 hatte der Rittmeister eine Zeit lang den Posten eines Taktiklehrers an der Schule für Schnelle Truppen in Krampnitz inne. Trotz mehrfacher Angebote seiner Vorgesetzten, sich doch in die modernere Panzerwaffe versetzen zu lassen, blieb der junge Offizier bei der Reiterei. Während der Heimatverwendung knüpfte Georg von Boeselager aus tiefster Überzeugung und allen Risiken zum Trotz erstmals Kontakte zum Militärischen Widerstand.
Nach der Lehrverwendung in Deutschland fungierte er als Ausbildungsoffizier für verbündete Kavallerieverbände im rumänischen Torgoriste.
Doch der rückwärtige Dienst behagte dem Vollblutsoldaten nicht - sein erklärtes Ziel war es, die etwas in den Hintergrund geratene Kavallerie zu modernisieren und als eine Art berittene Infanterie mit hoher Mobilität einzusetzen. Im Herbst 1942 gelang es dem Eichenlaubträger schließlich auf Vermittlung seines Bruders Philipp - seines Zeichens Ordonnanzoffizier beim Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte - diesbezüglich bei GFM von Kluge vorsprechen zu dürfen. Seine konstruktiven Ausführungen und Ideen hatten schließlich Erfolg - bereits einige Wochen später erhielt Georg von Boeselager Befehl, nach seinen Vorstellungen das Kavallerieregiment Mitte aufzustellen. Die I. Abteilung dieses Regiments wurde von seinem Bruder Philipp übernommen, der hier 1944 das Ritterkreuz erhielt und bei Kriegsende Kommandeur des Reiterregiments 31 war.
Später erhielten auch die Heeresgruppen Nord und Süd je ein eigenständiges Kavallerieregiment. Von Boeselagers Idee war von Erfolg gekrönt und rettete das deutsche Kavalleriekorps vielleicht vor der endgültigen Auflösung.
Obwohl wieder an der Front, hielt Georg von Boeselager weiterhin Kontakt zum Militärischen Widerstand, so dass er in einen riskanten Plan eingeweiht wurde. Als Hitler im März 1943 das Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte besuchte, planten einige couragierte Offiziere einen Bombenanschlag auf dessen Flugzeug. Georg und sein eingeweihter Bruder Philipp meldeten sich dafür freiwillig, nachdem sie sich der Unterstützung einiger Offiziere ihres Regiments versichert hatten. Der Widerstand entschied sich jedoch für einen anderen Ausführenden - der Anschlag schlug allerdings fehl.
Durch ihren Fronteinsatz waren beide von Boeselagers später nicht mehr am Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt.
1943 führte Major (01.06.43) von Boeselager sein ihm ergebenes Regiment in Anti-Partisanenaktionen bei Orscha und Witebesk, den blutigen Gefechten der Operation "Zitadelle" sowie den schweren Defensivkämpfen bei Orel und Brjansk. Im Juli gelang dem Regiment trotz äußerst hoher Verluste (300 Mann in 3 Tagen!) die Zurückweisung und Dezimierung von drei russischen Schützendivisionen. Im Oktober 1943 wurde von Boeselager verwundet, die Stärke seiner Einheit fiel nach den schweren Verlusten auf nur 4 Offiziere und 47 Mann! Im September erhielt Oberleutnant König, Kommandant der tapferen 1. Schwadron, auf Boeselagers Antrag das Ritterkreuz verliehen.
Schon im Frühjahr 1944 wurde Oberstleutnant (01.12.43) von Boeselager erneut verwundet und mit mehreren Steckschüssen im linken Oberschenkel in ein Feldlazarett eingeliefert. Die Heilungsphase verlängerte sich aufgrund von Komplikationen immer wieder, später kam auch noch eine Lungenentzündung hinzu.
Obwohl seine Wunde noch nicht ganz verheilt war, kehrte von Boeselager im Sommer wieder an die Front zurück und übernahm die 3. motorisierte Kavalleriebrigade im Südabschnitt der Ostfront, nachdem der bisherige Kommandeur Oberst Freiherr von Wolff (61. Eichenlaub) gefallen war. Die aus drei Reiterregimentern und einer Panzeraufklärungsabteilung bestehende Brigade bewährte sich in den Abwehrschlachten, den Kämpfen nördlich der Pripjet-Sümpfe und im Narew-Bug-Abschnitt. 
Obwohl noch immer durch das schmerzende linke Bein in seiner Kommandotätigkeit behindert, führte von Boeselager am 26. August 1944 mit Teilen seiner Brigade und einer unterstützenden Panzerabteilung einen erfolgreichen Flankenangriff gegen eine sowjetische Schützendivision am Bug. Am nächsten Tag konnte ein russischer Gegenangriff zum Stehen gebracht und der eigene Angriff fortgesetzt werden. An diesem Tag fand Oberstleutnant Georg von Boeselager jedoch, vor seinem Schützenpanzer stehend, durch schweres Maschinengewehrfeuer den Tod. 
Im Laufe des Tages kostete der von ihm eingeleitete Angriff dem Gegner noch 15 Panzer und 12 Pak-Geschütze. Drei Monate später erhielt er in Anerkennung seiner großen militärischen und taktischen Erfolge postum die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und die Beförderung zum Oberst. 
Der Wehrmachtsbericht vom 01.09.44 enthielt folgende Meldung: "In den schweren Abwehrkämpfen zwischen Bug und Narew hat sich die 3. Kavalleriebrigade durch unermüdlichen Angriffsschwung und Härte ausgezeichnet. An ihrer Spitze fand der bereits 1942 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnete 28jährige Brigadekommandeur Oberstleutnant Georg Freiherr von Boeselager den Heldentod."

Im Laufe des Krieges verlor die Familie von Boeselager insgesamt drei Söhne, lediglich Philipp überlebte und diente später als Oberstleutnant der Reserve erneut in der Bundeswehr.
Die bundesdeutschen Streitkräfte ehrten den gefallenen Widerstandskämpfer später mit der „Freiherr von Boeselager“-Kaserne in Munster. 

Quelle: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, ritterkreuz.at