Oberleutnant d.R. Alfons Bialetzki
Für den Kampf geboren
 
Steckbrief
 
Ü Nahkampfspange in Bronze 20.09.1944
Ü Nahkampfspange in Silber 04.10.1944
Ü Nahkampfspange in Gold 17.11.1944
Ü Ritterkreuz 17.09.1944
     
Ü zuletzt 50 Nahkampftage
Ü Infanteriesturmabzeichen in Silber
Ü Fallschirmschützenabzeichen
Ü Zwei Panzervernichtungsabzeichen für Einzelkämpfer
Ü Ärmelband Kreta, Deutsches Kreuz in Gold
Ü Verwundetenabzeichen in Gold
* 29.09.1919 in Bogutschütz/Schlesien  
 
   
Biographie
 
Als Oberleutnant Bialetzki im Winter 1944 die höchste infanteristische Kampfauszeichnung erhielt und aufgrund dieser vom Fronteinsatz abgezogen werden sollte, schrieb sein Divisionskommandeur, Eichenlaubträger Generalleutnant Risse, folgenden Bericht an das Oberkommando des Heeres:
„Die Division bittet, den Ritterkreuzträger Oberleutnant d.R. Alfons Bialetzki, der gemäß Bezugsbefehl zum Ersatztruppenteil abzustellen ist, nicht dorthin zu versetzen.
Oberleutnant Bialetzki eignet sich nach seiner Veranlagung und häuslichen Erziehung nicht zur Verwendung beim Ersatzheer. Er ist der Typ des Frontsoldaten, der sich im Kampf am wohlsten fühlt. Für eine Verwendung an den Waffenschulen des Heeres ist er gänzlich ungeeignet, da er ein sehr schlechtes, teilweise gebrochenes Deutsch mit ausgesprochenem schlesischen Akzent spricht. Bialetzki ist in Schlesien geboren und wohl polnischer Abstammung. Seit März 1944 in meiner Division, hat sich Bialetzki seither als hervorragend tapferer und seine Männer mitreißender Soldat erwiesen. Im Kampfeinsatz könnte er weiterhin Vorzügliches leisten, wo hingegen ich befürchte, dass er im Ersatzheer in jeder Verwendung versagen wird.“

Wer war dieser besondere Typ eines Frontsoldaten, den sein Kommandeur mit so harten, aber treffenden Worten beschrieb?
Am 29. September 1919 in Schlesien geboren, verlebte Alfons Bialetzki seine Jugend in Polen, beantragte 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft und zog nach Breslau. Hier trat er im Herbst 1940 als Freiwilliger in die Luftwaffe ein und wurde nach der Grundausbildung an die Fallschirmschule in Braunschweig versetzt. Zum Pionier ausgebildet, erreichte Bialetzki im März 1941 als MG-Schütze im berühmten Fallschirm-Pionier-Bataillon die Fronttruppe.
In der 4. Kompanie eingesetzt, nahm er mit seinem Elite-Bataillon am legendären Sprungeinsatz auf Kreta teil, in dessen Verlauf die Fallschirm-Pioniere im Verband des 1. Fallschirmjägerregiments – kommandiert vom späteren Schwerterträger Major Heilmann – südlich von Maleme absprangen und strategisch wichtige Punkte bei Alikianu freikämpften. Für besondere Tapferkeit im Kampf gegen neuseeländische, britische und griechische Truppen hier bereits mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet, wurde Bialetzki im August 1941 zum Gefreiten befördert. Auf Kreta erhielt der tapfere Schlese zudem das Fallschirmschützenabzeichen sowie das vom OKW gestiftete Ärmelband.
Nach den großen Verlusten des Fallschirmjägerkorps auf Kreta - durch Verlust des Überraschungsmoments fielen weit mehr Fallschirmjäger bei diesem Einsatz als in Holland, Norwegen und Griechenland zusammen - vergingen einige Monate, ehe es wieder zu Fronteinsätzen kam.
Inzwischen Gruppenführer, kam das Fallschirm-Pionier-Bataillon im Verband der 7. Fliegerdivision im Nordabschnitt der Russlandfront zum Brennpunkt-Einsatz. An der Leningrad-Front gegen kampfentschlossene Verbände der Roten Armee angetreten, wurden besonders die Pioniere immer wieder zum Stopfen von Frontlücken oder schnellen Gegenstößen herangezogen. Bialetzki konnte sich hier erneut auszeichnen, ehe er in den Winterschlachten verwundet wurde und nach seiner Genesung als Ausbilder an die Fallschirmjägerschule in Braunschweig zurückkehrte. Nun bereits Unteroffizier, erreichte der – wie eingangs beschrieben nicht für den rückwärtigen Dienst geeignete Soldat – im Sommer 1942 wieder die Fronttruppe. Erneut befördert, übernahm Feldwebel Bialetzki einen Zug in der 1. Kompanie seines alten Fallschirm-Pionier-Bataillons.
Dieses gehörte inzwischen zur neuen 1. Fallschirmjägerdivision und lag in schwersten Kämpfen im Mittelabschnitt der Ostfront. Alfons Bialetzki fügte sich sehr schnell wieder in den Fronteinsatz ein, erwies sich der späteren Einschätzung von Generalleutnant Risse als würdig und erhielt das Infanteriesturmabzeichen, das Verwundetenabzeichen in Silber sowie zwei Panzervernichtungsabzeichen. Die von Bialetzki geführten Pioniere verteidigten mit Erfolg Grabenstellungen, knackten feindliche Bunker, führten Stoß- und Aufklärungseinsätze durch oder holten benachbarte Kompanien aus der Patsche. Teilaufgabe der Pioniere blieb das Beseitigen von Minensperren sowie der Bau von Behelfsbrücken, Abwehrstellungen, Unterständen oder Nachschubwegen.
Im Juni 1943 als Oberfeldwebel in das Pionierbataillon der neuen 2. FJD versetzt, verließ Bialetzki diese zu jener Zeit in Frankreich stationierte Division bereits nach drei Monaten wieder und übernahm eine Kompanie in der 9. Luftwaffen-Felddivision. Solche aus überschüssigem Luftwaffen-Bodenpersonal und Ausbildungseinheiten gebildeten Divisionen standen ab 1943 im Infanterieeinsatz. Der kampferfahrene Schlese übernahm eine Grenadierkompanie im Luftwaffen-Feldregiment 18 und erlebte erneut Stellungs-, Graben- und Panzerschlachten. Wie schon 1941 im Kampfraum Leningrad eingesetzt, sammelte Bialetzki bis Ende Januar 1944 viele Nahkampftage und wurde im April – rückwirkend mit 1. November 1943 – zum Leutnant d.R. befördert. Diese Ernennung zum Tapferkeitsoffizier war eine Folge seiner Führungs- und Kampferfolge, musste von seinem Regimentskommandeur aber auch gegen massive Widerstände einiger Dienststellen durchgesetzt werden. Hauptkritikpunkt an der Beförderung war Bialetzkis mangelhafte Vorbildung sowie sein manchmal ungehobeltes Auftreten. Aber in Russland zählten eben nur Kampferfahrung, Entschlusskraft und Führungshand. Leutnant Bialetzki erwies sich dem Vertrauen seines Regimentskommandeurs mehr als würdig und führte seine Männer von Erfolg zu Erfolg. Nunmehr Führer einer speziellen, zur Partisanenbekämpfung abgestellten, schnellen Kompanie, musste die Division jedoch nach schweren Verlusten in den Rückzugsschlachten im März 1944 aufgelöst werden.
Wie die meisten Offiziere und Mannschaften der einst tapferen 9. LWFD erhielt auch Leutnant Bialetzki seine Versetzung zur 225. Infanteriedivision. Diese hatte bereits 1940 in Frankreich Frontluft gerochen, sich 1941 vor Moskau ausgezeichnet und im Jahr darauf auch den Kessel von Demjansk überstanden. Nun im Nordabschnitt auf dem Rückzug, übernahm Bialetzki eine Kompanie im Grenadierregiment 333. Während sich die Division unter dem Druck der überlegenen Roten Armee immer weiter zurückziehen musste, sammelte der Leutnant an der Luga, im Narwa-Abwehrriegel, vor Dünaburg sowie während den Abwehrschlachten von Riga innerhalb weniger Monate in unglaublich schneller Folge Nahkampftage und erhielt im September 1944 die Bronze- (zu diesem Zeitpunkt bereits 39 Einsatztage), im Oktober die Silber (nach 41 Einsatztagen) und bereits Mitte November die Goldausführung der Nahkampfspange zuerkannt. Am 24. November 1943 während eines Stoßtruppunternehmens erstmals im Nahkampf gestanden gewesen, hatte Bialetzki in den nächsten Monaten fast täglich Stoßtrupps zur sgn. Mondscheinhöhe geführt, am 02.01.44 u.a. einen russischen Spritbunker gesprengt, feindliche Stoß- und Spähtrupps vernichtet sowie bei Putki, Rudse, Balozi und Zageri Abwehrkämpfe durchgestanden.
Für seine beispiellose Tapferkeit bei Balozi wurde der junge Offizier auch zum Ritterkreuz eingereicht, nachdem er in drei Nahkampftagen immer wieder Gegenstöße geführt und im harten Kampf zuvor durchgebrochene Schützenkompanien der Roten Armee zurückgedrängt hatte. Nach Eintreffen des Fernschreibens zur Verleihung des Ritterkreuzes setzte sein Divisionskommandeur nun auch die zuvor abgelehnte, vorzugsweise Beförderung zum Oberleutnant d.R. durch.
Kurz darauf verfasste Generalleutnant Risse den eingangs geschilderten Bericht. Der erfahrene Divisionskommandeur kannte zwar die Probleme des einfachen Soldaten Bialetzki, wollte und konnte jedoch nicht auf dessen Kampfqualitäten verzichten. Leider trug seine Initiative keine Früchte, denn die Heeresgruppe Nord verwies auf den strikten Führerbefehl, keine Ausnahmen mehr zu machen (die angeblichen Sprachschwierigkeiten waren vermutlich ein Bluff-Versuch des Divisionskommandeurs, wäre doch wohl kaum ein Kompaniekommando für so jemanden zu bewältigen) und bestand auf der Versetzung. Doch es kam anders...
Während des ihm zustehenden Tapferkeitsurlaubs in seiner Heimat Schlesien nämlich ernsthaft erkrankt, lag Oberleutnant d.R. Bialetzki lange Zeit in einem Lazarett fest und erreichte bis Kriegsende keine Dienstfähigkeit mehr. Die 225. ID war indes in den Kessel von Kurland geraten, hatte alle sechs Abwehrschlachten durchgestanden und musste am 9. Mai 1945 den bitteren Gang in die ungewisse, sowjetische Kriegsgefangenschaft gehen. Insgesamt traten 190.000 Mann diesen schweren Weg an.
Alfons Bialetzki lebt heute wahrscheinlich unter anderem Namen in Polen.

Quelle: „Ritterkreuzträger mit Nahkampfspange in Gold“ von Florian Berger, ritterkreuz.at